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Depperte Rotzbuam!

Die Jugendbewegten von ‘68 und Sebastian Kurz

Als ich in den Sechziger- und Siebzigerjahren zum Jüngling heranreifte, erblühte in den USA und England gerade die Jugendkultur der legendären 68er. Die Beatles und die Rolling Stones wurden frenetisch gefeiert, "Woodstock" sendete die Botschaften von Peace and Love über den Atlantik und erreichte als Film sogar das Innviertel. Apropos Film! Inspiriert von den Harley-Davidson-Bikern aus "Easy Rider" starteten die Innviertler Mopedfahrer des Jahres 1969 ihre Puch 500 auch viel energiegeladener. Da rauschte es auf den geschotterten Highways von Hohenzell, Eitzing und Tumeltsham! Aus Frankreich erreichten uns aufwühlende Fernsehbilder demonstrierender Studenten, und wenn wir im Rieder "City" den nächtlichen Zigarettenqualm inhalierten, hatten wir das Gefühl, die Menschheit neu zu erfinden. 

Die Eltern und Großeltern fanden das alles nicht so toll wie wir Jungen. Teilweise hatte die Kriegsgeneration noch rabiate Ressentiments gegen die "Negermusik" und alles Amerikanische. Zum Teil ging ihnen aber einfach nur der wichtigtuerische Habitus auf die Nerven, mit dem diese unerfahrene Jugend die Welt verändern wollte. "Ihr Rotzbuam, ihr depperten, ihr habt’s uns nu lang nix zum Sagen!", schallte es uns entgegen. Wir empörten uns über diese unerträgliche Abwertung einer visionären Jugend. Heute entlockt es mir so manchen satirischen Grinser, wenn die jugendbewegten Freunde von damals ihre Kommentare zur "Jugend von heute" abgeben. Denn "forever young" (Bob Dylan) sind wir halt doch nicht geblieben, und wo früher die langen Haare in der Morgensonne leuchteten, schimmert heute die Pensionistenglatze im milden Abendlicht.

Gegenwärtig arbeitet sich so mancher Altachtundsechziger ebenso zornig wie hilflos am Phänomen Sebastian Kurz ab. Dass sich ein Jungpolitiker bürgerlich positioniert und damit auch noch Erfolg hat, ist einfach unfassbar! Das geht gar nicht, denn: "So ein Rotzbua, ein depperter, der hat uns nämlich nu lang nix zum Sagen!"

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Artikel Christian Schacherreiter 14. September 2017 - 00:04 Uhr
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