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Dahoam is dahoam

Als ich in die Prameter Volksschule ging – das war in den frühen Sechzigerjahren des vergangenen Jahrtausends –, schrieb ich in das Stammbuch meiner Cousine Vroni folgende Verse: "Liebe deinen Heimatort, / Gehe niemals von ihm fort. / Lieb ihn jeden Tag auf’s Neu’! Bleibe deiner Heimat treu!"

Woher ich diese heimattreuen Zeilen hatte, weiß ich nicht mehr. Sie gefielen mir aber sehr und waren ehrlich gemeint. Es schien mir ausgeschlossen, mein Dorf zu verlassen, und als wir ein Jahr später in die Weltmetropole Ried im Innkreis übersiedelten, heulte ich Rotz und Wasser. Ich fühlte mich entwurzelt, vertrieben, ausgesetzt. Zumindest am Anfang.

Bald bemerkte ich aber, dass die Rieder eh zum selben Stamm gehören wie die Prameter und auch so ähnlich riechen wie ich. Die dritte Strophe unserer Landeshymne lautet: "Dahoam is dahoam, / wannst net fort muaßt, so bleib. / Denn die Hoamat is ehnter, der zweit Muaderleib." Das ist wacker formuliert, hört sich aber in der globalisierten Welt von heute ähnlich antiquiert an wie meine Stammbuchverse aus den Sechzigern. Erstens hatscht Stelzhamers Vergleich der Heimat mit dem Mutterleib, denn in der Welt, in die das Neugeborene hinaustritt, wartet keine biologische Grundversorgung, weder in der Heimat noch in der Fremde.

Zweitens ist es wirklichkeitsfremd, die Menschen an die Heimatscholle zu binden. Ständig stacheln wir unsere Jugend zu Auslandsaufenthalten an, je länger und je weiter weg, umso besser. Und gleichzeitig singen wir ihr die Ohren voll, sie soll daheim bleiben. Die kennen sich ja auch nicht mehr aus! Nun ja, Hymnentexte sind bekanntlich nicht in Stein gemeißelt. Immerhin haben wir mittlerweile die "großen Töchter" erfolgreich in die Bundeshymne hineingestopft, aber die Landeshymne singen wir in dieser vormodernen Stubenhocker-Version. Ist das wirtschafts- und bildungspolitisch überhaupt noch zulässig? Ein Stelzhamer Franzl des 21. Jahrhunderts müsste eigentlich so dichten: "Dahoam is zwoa woam, aber dableibn derfst net / Weil wer owei dahoam bleibt, / siagt nix von da Wöd."

Echt cool, oder?

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Artikel Christian Schacherreiter 09. November 2017 - 00:04 Uhr
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