11. Mai 2017 - 00:04 Uhr · Christian Schacherreiter · Unser Innviertel

Birgit und die Scheißjobs

Die forsche Plakat-Ansage der SPÖ-Landesobfrau

Wir Innviertler sind die geborenen Birgit-Versteher, denn wir haben es ja auch, dieses rebellische Naturell. Dagegen sein, das kennen wir und können wir, und deshalb könnte die forsche Plakat-Ansage der SPÖ-Landesobfrau bei uns schon auf Sympathie stoßen. "Birgit ist gegen Scheißjobs!" Wau! Die traut sich was, die Birgit, stellt sich einfach hin mit ihrer Mutti-Frisur, macht auf rotziges Vorstadt-Mädl in der Hochpubertät und motzt: Ich bin gegen Scheißjobs. Aber echt, he! Hand aufs Herz, mit sogenannten "Scheißjobs" hat niemand ungetrübte Freude.

Kürzlich erst sagte ein Freund, der vor einem Jahr eine Firma gegründet hat: "Die Aufträge laufen eh gut, die schlaflosen Nächte wegen meiner Bankkredite sind vorbei, aber ich arbeite sieben Tage die Woche durch. Scheiße irgendwie." Und eine Volksschullehrerin an einer sogenannten Brennpunktschule sagt mir: "Das ist echt ein Scheißjob geworden. Würde ich mir nicht mehr antun." "Kein Problem", sage ich zu meinen Freunden, "Birgit hilft euch! Die ist nämlich gegen Scheißjobs." "Tatsächlich?", fragen meine Freunde. "Bist du sicher, dass Birgit auch unsere Jobs meint? Und wenn ja, was kann sie konkret für uns tun?" "Naja", sage ich, "schwer zu sagen, sie ist halt irgendwie – äh, dagegen." Was ist das eigentlich, ein Scheißjob? Einer, der schlecht bezahlt ist? Kann aber Birgit tatsächlich dafür sorgen, dass der "freigesetzte" 49-jährige Schauspieler oder die 19-jährige Verkäuferin besser bezahlt werden? Oder ist ein Scheißjob einer, bei dem man sich schmutzig macht, bei dem man sich in Gefahr begeben muss? Wird Birgit solche Jobs verbieten? Das wird nicht möglich sein. Bringt es aber dann etwas, jemandem mitzuteilen, dass man seinen Job für einen Scheißjob hält? Ist das nicht eher kränkend als hilfreich? Oje, da bleibt zuletzt nicht viel Greifbares! Da bleibt eigentlich nur ein vorlauter Plakatspruch. Würde der politische Gegner zu solchen Sprüchen greifen, wäre Birgit wahrscheinlich gegen so einen "Scheißpopulismus" – und das mit Recht.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/unser-innviertel/Birgit-und-die-Scheissjobs;art199347,2563731
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