In Wirklichkeit ist es ja so, dass die unerotischen Kurzzustände im Alltag einen Hauptfaktor für den gemeinen Beziehungstod darstellen. Einschlägiges Beispiel gefällig? Bitte:
Am Abend eines kalten Tages lagert er hochsexy und in himmelblauen, langen Unterhosen auf der farblich exakt abgestimmten Wohnzimmercouch (lila Leder). Sein nicht unhungriger Blick schweift verliebt in die Ferne und findet in Ermangelung von Alternativen bloß den Fernseher.
Ihr Auftritt: In den Händen hält sie ein Lavoir (-voa:r, das, hübsch veraltet für Waschschüssel) voll lauwarmem Wasser und besetzt die Restsofafläche. Sie weicht ihre Füße ein und beginnt mit brutal wirkenden Werkzeugen Zehennägel, Hornhäute und Hühneraugen zu bearbeiten. Sie zwickt knackend, schneidet und raspelt derart rautönig, dass dagegen Bruce „Stirb langsam“ Willis in der Glotze abstinkt wie ein Jungpfadfinder beim Kekserlausstechen.
Für diese ungeschminkte Schilderung erflehe ich Verzeihung von der sensiblen Leserschar; aber sie musste sein! Denn nur auf der Scholle des Drastischen kann sich die Blüte der Aufklärung recken und entfalten.
Lassen Sie mich zusammenfassen und festhalten: Maniküre bitte im Büro, Pediküre bitte allein im Bad oder bei der Fußpflegerin des Vertrauens und bitte: Zeigen Sie sich Ihrer/Ihrem Auserkorenen nie – und ich meine nie – in hellblauem Feinripp!
k.buttinger@nachrichten.at