Mit seinen Lieblingsbands Metallica und AC/DC ist der Musikfan und Hobby-Gitarrist Martin Koch eher auf der lauten Seite zuhause, doch im ÖSV-Springerteam gibt der ansonsten eher ruhige 30-Jährige nur zuweilen den Ton an. Dann, wenn es wie am Wochenende bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Vikersund (Nor) auf die größten Schanzen dieser Welt geht. Hört Koch das Wort Skifliegen, bekommt er leuchtende Augen. „Da hast du eine unbeschreibliche Freiheit“, sagt der Neffe von Ex-Weltmeister und ORF-Kommentator Armin Kogler. Sein Trainer Alexander Pointner weiß, was er an ihm hat. „Martin hat unglaubliche Flugfähigkeiten. Je weiter es geht, desto besser ist er.“
Während ansonsten seine Mannschaftskollegen Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern und Andreas Kofler die Musik im Weltcup-Zirkus machen, ist der Villacher ein braver Background-Sänger, der sich beständig in die Dienste des Teams stellt. Auch das weiß Pointner. Sechs Goldmedaillen – darunter die bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin – mit der Mannschaft zeugen davon, alleine dagegen muss Koch noch immer auf den Quantensprung warten. Bis auf Silber beim WM-Skifliegen 2008 in Oberstdorf gelang ihm bis jetzt kein großer Titel.
Doch im Vorjahr ging Koch als Solo-Akteur zumindest der Knopf auf. Er schaffte zwei Tage nach Ende der Vierschanzentournee am 8. Jänner in Harrachov seinen ersten Einzel-Weltcup-Sieg. Im Skifliegen, wo sonst.
Doch Skispringen ist für den Querdenker, dessen Lebensmotto „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ ist, längst nicht alles. An der Universität Klagenfurt studiert Martin Koch Wirtschaft und Recht. Stress hat er dort keinen. „Leider hinke ich seit einiger Zeit durch das Springen etwas hinterher. Aber es eilt nicht und irgendwann wird es schon gehen.“ Auch, weil er nach wie vor auf seinen großen Coup hofft. Trotz der beständigen Rückenprobleme, die den Mann mit dem unnachahmlichen Fluggefühl immer wieder einbremsten.
Pünktlich zu seinem persönlichen Saisonhöhepunkt scheint er in bester Verfassung. Letzten Sonntag in Oberstdorf gelang der dritte Weltcup-Erfolg. Und der Bakken in Norwegen scheint ihm zu liegen. Im Vorjahr stellte er beim Weltcup in Vikersund mit 241,5 Metern eine persönliche Bestmarke im Skifliegen auf. Nun hat er bei der WM nur ein Ziel. Den Titel. Nicht nur mit seinen Teamkollegen. Koch will endlich zeigen, dass er auch alleine auf dem Podium bei einem Großereignis stehen kann.
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