Ein idyllischer Steg, ein offensichtlich verliebtes Paar: Christian und Bettina Wulff beim Schlendern durch die Natur. Sie sind nicht allein. Einige Journalisten sind aufgetaucht, auch Kameraleute sind dabei. Wulff dreht sich zu ihnen und sagt: „Wie haben Sie denn herausgefunden, wo wir immer sonntags spazieren gehen? Ich bin ganz verblüfft.“
Das war 2008. Christian Wulff war Ministerpräsident von Niedersachsen, seit zwei Jahren von seiner langjährigen Frau geschieden und nun mit der jungen Bettina zusammen. Mit ihr gemeinsam begann sich Wulff zu inszenieren: Nicht als der graue, steife, farb- und profillose Konservative wollte er länger wahrgenommen werden, sondern als einer, der locker und spontan ist, der Popmusik mag, Party und Glamour. Und so war die Begegnung mit den Reportern beim Spaziergang auch kein Zufall: Wulff hatte sie geplant.
Einige Jahre lang waren Wulff und der Boulevard, allen voran die Bildzeitung des Springer-Verlages, ein gutes Team. Für Homestorys und hübsche Bilder gab es wohlwollende Berichterstattung. Im Dezember aber drehte sich das Blatt, Bild zeigte: Sie kann die Mächtigen auch wieder fallen lassen. Bild brachte die „Affäre Wulff“ ins Rollen, der Bundespräsident trat gestern zurück. Wulff war der Kandidat der Kanzlerin gewesen. Angela Merkel hatte den seit den 1970er- Jahren fest in der Union verwurzelten Wulff vorgeschlagen, nachdem Horst Köhler seinen Rückzug als Bundespräsident Ende Mai 2010 bekanntgegeben hatte. Am 30. Juni wählte die Bundesversammlung den 1959 in Osnabrück geborenen Wulff zu Köhlers Nachfolger. Es war eine demütigende Wahl gewesen: Neuneinhalb Stunden hatte sie gedauert, erst im dritten Wahlgang bekam Wulff die Stimmen zusammen. Etliche Konservative und Liberale hatten nicht für „ihren“ Kandidaten gestimmt, sondern für jenen der Opposition, den einstigen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck.
Schon einmal hatte es der Jurist erst im dritten Anlauf geschafft: 2003 war er schließlich Niedersachsens Ministerpräsident geworden. Gegen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) hatte er sich bis dahin nicht durchsetzen können. Als Ministerpräsident hatte er zuletzt auch wegen der Berufung der ersten türkischstämmigen Ministerin in einem Bundesland für Gesprächsstoff gesorgt – als Bundespräsident bleibt er – neben seinem laxen Umgang mit befreundeten Unternehmen – wohl auch wegen seiner Aussage zum Islam im Rahmen des 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 in Erinnerung: „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“

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