04. Oktober 2017 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Menschen

Rote Reinigungskraft

Rote Reinigungskraft Von Christoph Kotanko

Christoph Matznetter leitet die SPÖ-„Task Force“ zur Klärung der Silberstein-Affäre. Bild: APA

Kurz vor dem Ende seiner politischen Karriere kommt Christoph Matznetter noch einmal ins Scheinwerferlicht. Der 58-jährige Wirtschaftstreuhänder aus Wien leitet die SPÖ-interne "Task Force" zur Klärung der Silberstein-Affäre.

Der Langzeit-Abgeordnete (dem Nationalrat gehört er mit kurzen Unterbrechungen seit 2002 an) ist dem Ende seiner Laufbahn nahe. Auf der SPÖ-Liste bekam er nur ein Kampfmandat; angesichts der jüngsten Entwicklung dürfte sich der Wiedereinzug ins Hohe Haus nicht ausgehen.

Aber Matznetter ist loyal zur Partei. Jetzt macht er eben die rote Reinigungskraft im Dreck, den Silberstein hinterlassen hat.

Er ist gescheit wie sein alter Freund und Lehrmeister Alfred Gusenbauer, wie dieser genussorientiert, dazu redselig bis zur Schwatzhaftigkeit, in Verhandlungen aber pragmatisch und ergebnisorientiert: Das sind Eigenschaften, die Matznetter von Genossen und von Gegnern zugeschrieben werden.

Sein familiärer Background ist bürgerlich, doch der junge Matznetter landete als Schülersprecher bei der Sozialistischen Jugend. 1980 begann er die Ausbildung zum Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder.

Gusenbauer wurde sein Förderer. Als Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes und Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich konnte sich Matznetter so weit profilieren, dass er ab 2007 für zwei Jahre als Staatssekretär im Finanzministerium werken durfte. Punkten konnte er in der Regierung Gusenbauer/Molterer nicht – ein Schicksal, das er mit fast allen Mitgliedern dieser kurzlebigen Koalition teilte.

In jüngster Zeit betätigte sich der verheiratete Vater von drei Kindern als Kampfredner gegen Sebastian Kurz und dessen "neue" ÖVP. Auch den Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl nahm er aufs Korn.

In nächster Zeit ist Matznetter allerdings damit ausgelastet, den Schutt in der eigenen Partei wegzuschaufeln – falls das möglich ist.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/menschen/Rote-Reinigungskraft;art111731,2696323
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