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Patriarch Kyrill I.: Treffen nach fast 1000 Jahren

Wenn Kyrill I. heute am Flughafen von Havanna auf Kuba ankommt und Papst Franziskus trifft, kann er wie sein Gesprächspartner sicher sein, dass er Geschichte schreibt.

Treffen nach fast 1000 Jahren Von Josef Achleitner

Kyrill, Oberhaupt der mit 150 Millionen Gläubigen größten orthodoxen Kirche der Welt Bild: EPA

Es ist das erste Mal überhaupt seit der Kirchenspaltung im Jahr 1054, dass es zu einem Gipfeltreffen zwischen den Oberhäuptern der katholischen und der (russisch-)orthodoxen Kirche kommt, die sich vor fast 1000 Jahren gegenseitig exkommuniziert haben und getrennte Wege gegangen sind.

Kyrill heißt mit bürgerlichem Namen Wladimir Gundjajew und ist in einer Leningrader (St. Petersburger) Priesterfamilie aufgewachsen. Sein Vater verbrachte unter Diktator Josef Stalin drei Jahre in einem Gefangenenlager (Gulag). Nach Stalin änderte die Kommunistische Partei die Haltung zur eigentlich prinzipiell staatstreuen orthodoxen Kirche: Statt Kirchenzerstörung und Priesterverfolgung kam eine Phase der Duldung unter Kuratel.

Der 1946 geborene Gundjajew machte nach dem Priesterseminar in der einstigen Zarenstadt schnell Karriere als Sekretär des dortigen Metropoliten Nikodim, der für die Annäherung an andere christliche Kirchen offen war. Er wurde als Vertreter des Moskauer Patriarchats beim Weltkirchenrat bestellt und gehörte zu den federführenden Mitarbeitern globaler christlicher Konferenzen. Als Leiter des kirchlichen Außenamtes traf er Papst Benedikt dreimal. Vor seiner Wahl zum Patriarchen bremste Gundjajew seine ökumenischen Ambitionen. Andere Kirchenführer wollten Rom nicht verzeihen, dass unter Papst Johannes Paul vier katholische Diözesen in Russland gegründet worden waren. In jeder Diözese sollte es nur eine christliche Leitung geben, sagt auch Kyrill.

Vorwürfe einer möglichen früheren Verwicklung in KGB-Dienste haben Kyrill bisher ebenso wenig geschadet wie die Verdächtigung, er habe unter Präsident Jelzin das Privileg der zollfreien Einfuhr zum schwunghaften Zigarettenschmuggel genützt, um die Kirche zu finanzieren.

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Artikel Josef Achleitner 12. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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