06. Dezember 2016 - 00:04 Uhr · · Menschen

Matteo Renzi: Der gescheiterte "Verschrotter"

Der gescheiterte "Verschrotter" Von Heidi Riepl

Italiens Premier hält sein Versprechen und tritt nach dem gescheiterten Referendum zurück. Bild: APA

Matteo Renzi hatte Tränen in den Augen: "Ich habe verloren", sagte Italiens Ministerpräsident wenige Minuten nach dem Scheitern des Verfassungsreferendums.

"Meine Regierungszeit endet hier." Nach knapp mehr als tausend Tagen an der Führung des Landes musste der jüngste Ministerpräsident in der italienischen Geschichte kapitulieren. Der ambitionierte Sozialdemokrat, der als Hoffnungsträger und "Verschrotter" alter Eliten angetreten war, wurde selbst verschrottet. Mit klarer Mehrheit sagten die Italiener am Sonntag "No" zu seiner Verfassungsreform. Und weil Renzi das Kernstück seiner Politik mit seiner Person verknüpft hatte, musste er zu seinem Wort stehen und abtreten: "Das gehört", wie er noch sagte, "zu den Spielregeln einer neuen Politik, mit der ich Italien gerne ausgestattet hätte."

Der Jurist und Vater von drei Kindern hat wenig Übung im Verlieren. Bisher hat er immer nur gewonnen. Mit 19 gewann er eine Quizshow, mit 29 wurde er Präsident der Provinz Florenz. Mit 34 Bürgermeister von Florenz. Mit 38 Generalsekretär des sozialdemokratischen Partito Democratico. Mit 39 Premier. Als Renzi im Februar 2014 an die Macht kam, roch es nach Aufbruch und nach Systembruch. Bei den Europawahlen einige Monate später holte seine Partei fast 41 Prozent. So viele wie noch nie.

Dieser Erfolg machte sogar den Makel wett, dass Renzi nicht nach einer gewonnenen Wahl Regierungschef geworden war, sondern nach einer Berufung durch den damaligen Staatspräsidenten Napolitano. Für seine Gegner blieb Renzi ein arroganter Machtpolitiker. Er selbst bezeichnet sich als "hin und wieder böse und arrogant". Obwohl seine primadonnenhaften Auftritte bei EU-Gipfeln viele nervten, war der Europa-Befürworter in Brüssel stets ein gern gesehener Gast. Bei den Pfadfindern habe sich ihm das Motto eingeprägt, die Welt zu einem besseren Platz zu machen, heißt es in seiner Biografie. Als Regierungschef ist es ihm jedenfalls nicht gelungen.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/menschen/Matteo-Renzi-Der-gescheiterte-Verschrotter;art111731,2421043
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