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Frank Bainimarama: Einst Putschist, jetzt Klima-Chef

Noch vor ein paar Jahren hätte niemand gedacht, dass Frank Bainimarama einmal eine internationale Weltklimakonferenz leiten würde. Der Regierungschef der Fidschi-Inseln, die derzeit offizieller Gastgeber des UNO-Gipfels in Bonn sind, war bis 2014 auf dem internationalen Parkett sogar ungebetener Gast.

Einst Putschist, jetzt Klima-Chef Von Heidi Riepl

Der offizielle Gastgeber der UNO-Weltklimakonferenz war jahrelang international isoliert. Bild: Reuters

Großbritannien untersagte ihm die Einreise zu den Olympischen Spielen. Auch internationale Organisationen boykottierten ihn und sein Land. Der einstige Militärchef der Fidschi-Inseln hatte sich zweimal an die Macht geputscht, zunächst im Jahr 2000 für mehrere Wochen, dann im Jahr 2006.

Er selbst sagte, er habe es "aus Sorge um sein Land" getan. Die Korruption, die er in der Regierung vermutete, missfiel ihm, und darum blieb er einfach an der Macht. Bainimarama erklärte sich selbst zum Regierungschef, setzte die Verfassung außer Kraft, übte Druck auf die Gerichte aus und zensurierte die Medien. Die Zeit für längst versprochene demokratische Wahlen hielt er jahrelang für nicht gekommen. Erst 2014 änderte der 63-Jährige seine Meinung: Er tauschte die Militäruniform gegen Anzug und Krawatte und wurde mit knapp 60 Prozent der Stimmen gewählt. Da die internationalen Wahlbeobachter keine Unregelmäßigkeiten erkennen konnten, war damit auch sein Ruf wiederhergestellt.

In Bonn ruhen nun viele Hoffnungen auf ihm, schließlich stehen Inselstaaten wie die Fidschis wegen steigender Meeresspiegel im Zentrum der Klimakatastrophe. Bainimarama gilt hier als Garant echten Klimaschutzes. Der Klimaschutz ist ihm auch ein echtes persönliches Anliegen: "Ich habe die Auswirkungen des Klimawandels zum ersten Mal vor 30 Jahren bemerkt", sagt er. Damals sei in seinem Heimatdorf der Strand weggespült worden.

"Wo immer wir leben, wir sind alle gefährdet und müssen handeln", appellierte der Vater von fünf Kindern nun an die Welt. Von den Fidschis hat er zur Weltklimakonferenz eine Drua mitgebracht, ein hölzernes Boot der Ureinwohner. "Wir sitzen alle in einem Kanu."

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Artikel Heidi Riepl 11. November 2017 - 00:04 Uhr
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