06. März 2017 - 00:04 Uhr · · Menschen

Donald Tusk: Vom Heimatland Polen brüskiert

Vom Heimatland Polen brüskiert Von Clemens Schuhmann

Tusk: "Die Niederlande sind Europa und Europa sind die Niederlande, ein Ort der Freiheit und der Demokratie." Bild: Reuters

"Je weiter er von Polen weg ist, desto besser." Jaroslaw Kaczynski, der Chef der rechtsnationalen polnischen Regierungspartei "Recht und Gerechtigkeit" (PiS), hatte schon im Jahr 2014 öffentlich kundgetan, was er von seinem Landsmann, dem aktuellen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk, hält – nämlich gar nichts.

Tusk hatte Kaczynski 2007 ja bei vorgezogenen Neuwahlen aus dem Amt des Ministerpräsidenten befördert und war dann selbst sieben Jahre lang Regierungschef in Polen. Das dürfte Kaczynski nie verwunden haben – schließlich hat er seinen Erzrivalen Tusk am Wochenende in einer bisher nicht gekannten Art und Weise brüskiert.

Polens Regierung hat Tusk die Unterstützung für eine weitere Amtszeit versagt – und mit dem EU-Abgeordneten Jacek Saryusz-Wolski gleich einen Gegenkandidaten nominiert. Auch wenn der 68-Jährige gegen Tusk als chancenlos gilt, treten nun zwei Polen um den Brüsseler Spitzenjob in einer Kampfkandidatur gegeneinander an. Ein beispielloser Vorgang. Nach bisheriger Planung sollte Tusk ja auf dem EU-Gipfel Ende der Woche für eine weitere zweieinhalbjährige Amtszeit wiedergewählt werden – mit qualifizierter Mehrheit. Aber: Noch nie wurde ein Ratspräsident gegen den Willen seiner Heimatregierung ernannt.

Donald Tusk wurde vor 59 Jahren in Danzig geboren, schon während seines Geschichtestudiums engagierte er sich gegen das kommunistische Regime – ein Berufsverbot als Journalist war die Strafe. Gleich nach der politischen Wende ging der Vater zweier Kinder, der eher als Pragmatiker denn als Visionär gilt, in die Politik und stieg rasch auf: Im Jahr 1991 wurde er ins Parlament gewählt, wurde als Chef der rechtsliberalen "Bürgerplattform" (PO) bald Vize-Parlamentspräsident und wurde 2007 für sieben Jahre Regierungschef. Mit 1. Dezember 2014 übernahm der begeisterte Fußballer den Posten des EU-Ratspräsidenten. Seine erste Amtszeit läuft noch bis 31. Mai 2017 – wie es dann weitergeht, ist seit diesem Wochenende plötzlich offen.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/menschen/Donald-Tusk-Vom-Heimatland-Polen-brueskiert;art111731,2502105
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