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Der Chef der Würfelspiele

Seit 1969 wirkt Anton Streicher bei der alle zwei Jahre stattfindenden Freilicht-Aufführung der "Frankenburger Würfelspiele" mit.

Anton Streicher ist der Obmann des Vereins „Frankenburger Würfelspiele“. Bild: ebra

Seine Frau Eva verwaltet das Telefon, unter dessen Nummer alle wichtigen Informationen zu den Aufführungsterminen erfragt werden können. Bei ihm laufen alle anderen Fäden zusammen. Anton Streicher begann als Bauernstatist, ab 1989 half er im Organisationsteam mit, seit 2007 ist er Obmann des Vereins "Würfelspielgemeinde Frankenburg". In dieser Funktion setzt er immer in ungeraden Jahren bis zu 1000 ehrenamtliche Mitarbeiter, Laienschauspieler und Helfer in Bewegung, die auch ab Freitag (Premiere) an zehn Abenden die Vorgänge von 1625 nachzeichnen. Auf dem Haushamerfeld ließ damals Adam Graf von Herberstorff zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges 36 arme Seelen um ihr Leben würfeln. Der Verlierer wurde jeweils gehängt. Dieser barbarische Vorgang führte 1626 zum Ausbruch des Bauernaufstandes.

Diesen Herberstorff spielt Streichers Bruder Helmut, er selbst hat die Rolle des Richters Sebastian Nader von seinem Vater übernommen. Im Brotberuf berät Anton Streicher Kunden einer Großbank in Frankenburg – und nur weil den 60-Jährigen alle Kollegen und Chefs unterstützen, könne er sich den Würfelspielen ausreichend widmen. Nein, mit jenem Streicher, der einst ebenfalls unter den Verurteilten war, sei er nicht verwandt, aber einige Nachfahren der Leidtragenden von 1625 gibt’s schon unter den Mitspielern.

Ski fahren, tauchen, golfen – Streicher macht so gut wie alles. Linksaußen beim Fußballklub TSV Frankenburg war er auch einmal, "aber dann waren die meisten meiner Freunde bei der Feuerwehr, also bin ich dorthin", sagt Streicher. Ans Aufhören denke er immer wieder, aber so viele stellen sich nicht an, die sich die ehrenamtliche Verantwortung für dieses Monsterprojekt antun wollen. Also wird Streicher auch 2019 Obmann sein. Die Vorbereitungen dafür beginnen heuer – am 16. August, einen Tag nach der letzten Vorstellung.

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Artikel Peter Grubmüller 26. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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