Jetzt triumphiert er wieder, der medial ventilierte Lokalpatriotismus, der sich gegen „Nestbeschmutzer“ wehrt, die nach der NS-Vergangenheit einer Stadt fragen. Aber ist es nicht eher ziemlich provinziell, einen großartigen Ausstellungserfolg beim Publikum (60.000 Besucher) und bei der seriösen internationalen Presse (Süddeutsche Zeitung, FAZ etc.) aus durchaus durchschaubaren Motiven runterzumachen? Darüber muss man eigentlich den Kopf schütteln. Oder ist das Kriterium der Beurteilung das berühmt-berüchtigte Niveau der britischen Skandalpresse? Ist es nicht mehr als eigentümlich und zwiespältig, dass der Gastkommentar eines Sozialwissenschafters ethisches Verantwortungsbewusstsein bei der Geschichtsaufarbeitung von Linz09 einfordert und die Story mit einem riesigen Foto von Hitler auf der Titelseite aufgemacht wird, der Text dann aber wieder die reißerische Herangehensweise der Linz09-Projekte zur NS-Geschichte beklagt? Wer rückt da wen in welches Licht? Wäre es nicht auch ein Stück weit kritischer Journalismus, die Motive und Interessen all jener etwas genauer zu beleuchten, die sich jetzt als die großen Kritiker der Linz09-Projekte zur NS-Vergangenheit zu Wort melden?
Prof. Andreas Gruber,
München/Wels
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