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Im Anblick des Wahnsinns

Vernünftigerweise kann man auf die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten gar nicht anders reagieren als mit der Mahnung zur Mäßigung und mit dem Hinweis, dass Gewalt ganz bestimmt keine Lösung für die Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern sei. Doch so richtig diese Reaktion auch ist, was genau soll das alles eigentlich heißen? Steht man nicht, wenn man ehrlich ist, einem Konflikt gegenüber, der sich längst als unlösbar erwiesen hat?

Resignation, so könnte man einwenden, ist keine brauchbare Antwort. Man wird, so deprimierend das Geschehen im Nahen Osten auch ist, eben doch versuchen müssen, diplomatische Lösungen anzumahnen. Vielversprechend ist das im Augenblick nicht. Aber es gibt zur Vernunft auch dann keine Alternative, wenn sie sich als vorläufig wirkungslos erwiesen hat.

Und dass auf beiden Seiten nicht die Vernunft, sondern der Wahn regiert, hat sich am Wochenende gezeigt. Seit Jahrzehnten sind im israelisch-palästinensischen Konflikt nicht mehr so viele Menschen an einem einzigen Tag zu Tode gekommen wie an diesem Samstag. Israels Angriffe auf Zentren der Hamas in Gaza waren unverhältnismäßig und haben auch unschuldige Menschen in den Tod gerissen. Allerdings muss, wer Israel kritisiert, im selben Atemzug dazusagen, dass die Hamas mit ihren Raketenangriffen zuletzt die israelischen Erzfeinde hemmungslos provoziert hat.

Einen Waffenstillstand zu fordern, neue Emissäre zu schicken, Konferenzen und Friedenspläne vorzuschlagen – all das ist nicht falsch und in Anbetracht der schlimmen Nachrichten vielleicht noch die beste Antwort.

Aber nichts und niemand kann Israelis und Palästinensern Frieden bringen, wenn nicht auf beiden Seiten die Einsicht reift, dass man miteinander leben muss und mit der historisch gewachsenen Lage, dass man schmerzliche Kompromisse schließen und das wechselseitig erlittene Unrecht hinter sich lassen muss.

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Artikel 29. Dezember 2008 - 00:04 Uhr
Von Markus Günther
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