Josef Pröll (VP) hat gestern schon einmal die Kleider des Bundeskanzlers anprobiert und in seiner Funktion als Finanzminister vor einem handverlesenen Publikum das gehalten, was man gemeinhin eine Rede an die Nation nennt. Fast zur gleichen Zeit mühte sich der amtsführende Bundeskanzler Werner Faymann im SP-Präsidium bei der Suche nach einem Rezept gegen das hartnäckige Tief der SP und verstärkte damit noch die Wirkung des Pröll-Auftritts.
Denn deutlicher hätte der Kontrast nicht sein können: Hier ein Kanzler, der darum kämpft, der eigenen Partei eine Linie zu geben, und vorerst nicht mehr zu präsentieren hat als eine Arbeitsgruppe. Dort der Kanzlerkandidat, der staatstragend seine Vision für die Zukunft Österreichs vorbringt und mit jeder Faser signalisiert: Ich will und kann regieren.
Blut, Schweiß und Tränen, das war es zwar nicht, was Pröll predigte. Und in vielen Punkten mied er konkrete Festlegungen. Aber er setzte eingebettet in eine perfekte Inszenierung auch inhaltliche Akzente: Er forderte deutlich ein früheres Aus der Hackler-Regel, obwohl er damit das Risiko eingeht, die SP mit ihrem Leibthema wiederzubeleben. Mit seinem Bekenntnis zum Ausbau der Ganztagsschulen erneuerte Pröll seine Bereitschaft, ein schwarzes Dogma in der Bildungspolitik beträchtlich aufzuweichen. Gleichzeitig warf er mit Kritik an der internationalen Finanzwirtschaft seine Netze auch nach links aus.
Besondere Beachtung verdient Prölls Ankündigung, ein Konklave zur Erarbeitung einer Verwaltungsreform einzurichten und in diesem Zusammenhang „die eine oder andere heilige Kuh“ zu schlachten. Denn viele dieser heiligen Kühe stehen im eigenen Stall und werden von schwarzen Landeshauptleuten und Beamtengewerkschaftern gehegt, gepflegt und entschlossen verteidigt.
Pröll konnte daher gestern einen schönen Etappensieg verbuchen, aber er hat sich mit der Wucht seiner Inszenierung den Ball auch sehr weit vorgelegt – dann, wenn er an Ergebnissen gemessen wird.
Und wenn ich mir die heutige Presse anschaue, dann sind die Kommentatoren durchaus beeindruckt von dem, was ihnen Josef Pröll gestern geboten hat!
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• „Leadership“ ist nichts Schlechtes, da kann sich Faymann bei Pröll etwas abschauen, ja sogar einfach kopierend nachmachen!
• „Konklave für die Verwaltungsreform“ ist ein wunderbares Bild für die „Notwendigkeit dieses Schrittes und für die damit verlangte persönliche Einbringung ALLER Landeskaiser, mit der Drohung, bei Zuwiderhandeln eingesperrt zu bleiben!“ Das versteht sogar der ÖVP-Alt-ler Pühringer – hoffentlich!
• „Inszenierung“ ist dann nichts Schlechtes, wenn sie einem guten Zweck dient. 400 geladene Gäste ersetzen natürlich ein freiwillig zuhörendes Publikum. Ist der Inhalt des Geschenkpakets aber interessant genug – und das war es offensichtlich – dann ist diese Inszenierung für mich o.k.
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Die Art, „Leadership“ zu zeigen, wie Pröll dies macht, ist UM LICHTJAHRE angenehmer als jene von seinerzeit Schüssel!