06. Oktober 2017 - 00:04 Uhr · Harald Bartl · Leitartikel

Zum Glück fallen im ÖFB jetzt die Masken

Es ist ein Beispiel, das die aktuelle Situation im Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) genau auf den Punkt bringt:

Auch mehr als ein Jahr nach der verkorksten Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich sind kaum Kabineninterna nach außen getragen worden. Weder von den Spielern der Fußball-Nationalmannschaft noch vom Trainer- oder Mitarbeiterstab.

Ganz im Gegensatz zur jüngsten Präsidiumssitzung des ÖFB vor knapp einem Monat in Gmunden. Da hatte so mancher "Landesfürst" – so werden die neun Präsidenten der Fußball-Landesverbände umgangssprachlich genannt – Journalistenkollegen noch direkt aus dem Sitzungssaal über die neuesten Details informiert.

20- bis 30-jährige Sportler schaffen also, woran 30 bis 40 Jahre ältere Funktionäre – viele von ihnen in ihren Brotberufen zur Verschwiegenheit verpflichtet – gnadenlos scheitern beziehungsweise bewusst scheitern wollen. Denn das aktuelle Theater im ÖFB schadete bisher nicht den Unruhestiftern selbst, sondern ÖFB-Präsident Leo Windtner. Dieser hat, im Nachhinein gesehen, einen Fehler begangen. Die eigentlich harmlosen Zugeständnisse – die Ernennung von vier neuen Vizepräsidenten etwa hat maximal auf eine Unterzeile in der jeweiligen Visitenkarte eine Auswirkung – ließen den Machthunger steigen.

Der Bogen wurde jedoch überspannt. Dass am heutigen Tag des Länderspiels nicht über die Mannschaft, sondern in ganz Österreich nur über die Machenschaften der Landespräsidenten gesprochen wird, ist blamabel. Eines haben die Herren Hübel (Salzburg), Rinner (Bundesliga) und Geisler (Tirol) freilich gemeinsam: In die erste Reihe will sich keiner stellen. Man hält sich lieber dezent zurück.

Ganz so einfach ist das jetzt aber nicht mehr. Die Masken sind in den vergangenen Tagen gefallen. Und das kann nur gut für den österreichischen Fußball sein. Denn die Mannschaft mit den größten internen Problemen spielt nicht heute gegen Serbien im Stadion. Es ist das Präsidiums-Team, das morgen die Weichen mit der Bestellung eines neuen Sportdirektors und in der Folge des neuen Teamchefs stellt – und dafür in Zukunft auch geradestehen muss.

Die Abstimmung ist zwar offiziell geheim. Wir werden dennoch über das genaue Ergebnis informieren können. Denn die Interna werden im ÖFB auch weiter nach außen dringen. Eher früher als später.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/leitartikel/Zum-Glueck-fallen-im-OEFB-jetzt-die-Masken;art11085,2698582
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