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Wundersame Wiener Geldvermehrung

Mehr Geld! Gilt das System der Wiener GKK bald bundesweit?

Wenn kurz vor einer angekündigten Reform der Krankenkassen die Wiener Gebietskrankenkasse (GKK) und die Wiener Ärztekammer einen Tarifabschluss feiern, der den Eindruck erweckt, als sei das Geld abgeschafft, dann ist der gelernte Österreicher zu Recht skeptisch.

Ausgerechnet die Wiener GKK, seit Jahren das Griechenland unter den Gebietskrankenkassen, erhöht die Honorare für Allgemeinmediziner und Kinderärzte in den kommenden drei Jahren um insgesamt 30 Prozent. Dazu gibt es flankierend eine Ausweitung des Leistungsangebotes, bei dem man sich fragen muss: Woher nehmen die das Geld? Immerhin hat die Wiener GKK auch 2017 wieder ein Bilanzdefizit von 34,5 Millionen Euro zu Buche stehen, während Oberösterreichs GKK ein Plus von 1,2 Millionen Euro erzielte.

Der Verdacht, dass in Wien GKK und Ärztekammer vollendete Tatsachen schaffen wollen, bevor von der Regierung eine Sozialversicherungs-reform umgesetzt wird, ist sicher nicht aus der Luft gegriffen.

In der Sache selbst ist es richtig, die Position der Allgemeinmediziner attraktiver zu machen. Die Ärzte sind die strategisch wichtigsten Partner der Krankenkassen, sie sind der Hebel, um die Kosten in den Griff zu bekommen. Am günstigsten und effizientesten ist es, wenn der Patient beim Allgemeinmediziner, also beim Hausarzt, im Gesundheitssystem empfangen wird.

Wien schleppt hier einen Systemfehler mit: Während in Oberösterreich das Verhältnis von Allgemeinmedizinern zu Fachärzten bei rund 60 zu 40 liegt, ist es in Wien in etwa umgekehrt. Das Ergebnis lässt sich an den Pro-Kopf-Ausgaben für ärztliche Leistungen ablesen. 2016 lagen sie in Wien bei 670 Euro, in Oberösterreich bei 544 Euro. Diesen Unterschied kann man nicht allein mit dem Großstadtfaktor wegargumentieren. Für diesen erhält Wien ohnehin Zahlungen aus dem Ausgleichsfonds der Krankenkassen.

Auch, ob eine Honorar-Auffettung allein der effizienteste Weg ist, um die Zahl der Allgemeinmediziner zu erhöhen, ist fraglich. Aber mehr Geld ist offenbar der einzige Weg, den man sich in Wien – anders als bei den meisten GKK in den Bundesländern – seit Jahren vorstellen kann. Daher darf der gelernte Österreicher auch skeptisch sein, wenn er hört, dass laut Regierungsplänen künftig alle Kassen zentral von Wien aus gelenkt und gesteuert werden sollen.

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Artikel Wolfgang Braun 14. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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