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In die Höhe, in die Breite, ins Grüne?

Linz braucht Wohnraum, doch wohin soll die Stadt wachsen?

Alt-Urfahr verliert Plätze, die früher sein Idyll ausgemacht haben, an ihrer Stelle werden großzügige Investorenprojekte verwirklicht, Grün wird betoniert. Im Kern von Urfahr sind weitere Bauvorhaben, die in die Höhe gehen, bei den Bürgern heftig umstritten. Nicht anders in weiteren Teilen der Landeshauptstadt Linz. Es geht um das Phänomen architektonischer Verdichtung einer Stadt, die rapide wächst und deren Infrastruktur es zerreißt.

Über das katastrophale Verkehrsmanagement ist hinreichend geschrieben worden. Nicht minder komplex ist die Wohnraumproblematik. Wer Linz dabei in seinem Status quo erhalten möchte, vergisst die Demografie. Linz wächst rapide. Heute zählt Linz 8000 Bewohner mehr als vor drei Jahren. In wenigen Jahren wird Linz 220.000 Bewohner statt wie heute 205.000 beherbergen.

Mit Verdichtung alleine lässt sich der dazu benötigte Wohnraum nicht beschaffen. Linz hat keine Chance, in die Vororte der Stadt zu gehen, wie es das vergleichbare Graz tut, weil die Umlandgemeinden selbstständige Einheiten sind. Würde der Zentralraum mit Linz, Leonding, Traun, Steyregg, Puchenau, Lichtenberg, Altenberg als Gesamtheit betrachtet, könnte ein städtisches Raumordnungskonzept visionärer geschrieben werden.

Also stehen Linz nur drei weitere Wege innerhalb bestehender Grenzen offen: Ins Grün auf Stadtgebiet gehen (was die Politik aus guten Gründen nicht erwägt) oder eben in die Höhe bauen oder zunehmend verdichten.

Verdichtung, zuletzt oftmals mittels umstrittener Hochhausprojekte, ist eine Frage von Ästhetik und Geometrie. Dabei vermittelt Linz den Eindruck von Bautätigkeit ohne Abwägung und Bürger-Einbeziehung, ohne Berücksichtigung städteplanerischer Überlegungen. Auch das ist nicht neu, weil es schon seit Jahrzehnten diesen Vorwurf der Investoren-Architektur in Linz gegeben hat (mit den Namen Perotti, Kaufmann, Kneidinger etc.).

Auch wenn sich die Bürger wehren, lässt sich "Nachverdichtung" nicht vermeiden. Doch wo und wie? Schließlich muss die Stadt auch einen nachhaltigen Umgang mit der Bodenspekulation finden. Hohe Bauten versprechen ungleich höhere Renditen, an denen die Allgemeinheit nicht partizipiert. Die Stadt ist für Investoren eine Goldgrube, viele geben (durch Beherbergung von Firmen und Arbeitsplätzen) der Allgemeinheit etwas zurück, aber eben längst nicht alle.

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Artikel Gerald Mandlbauer 02. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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