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Temelin auf der Bühne der Weltpolitik

Temelin wird ausgebaut. Und Oberösterreich hat verloren.

Nördlich unserer Landesgrenze ist ein Kernkraftwerk in Betrieb, mit dessen Existenz wir uns niemals anfreunden werden (unverbesserliche Atomkraft-Befürworter ausgenommen). Es wird daher die österreichische Seele befriedigen, wenn wir weiterhin gegen dieses Temelin meutern, wenn wir Geld in Anti-Temelin-Aktivitäten pumpen und wenn wir dem Nachbarn verdeutlichen, was wir von diesem Kraftwerk halten: Nämlich nichts. Temelin ist zur Metapher für die Anti-Atom-Strategie des Landes geworden.

Doch was tut die Wirklichkeit? Sie schert sich nicht um diesen moralisch getragenen Widerstand. Nördlich unserer Grenze wird in einigen Jahren ein Kraftwerk stehen, das um zwei weitere Reaktorblöcke erweitert worden ist. Temelin wird ausgebaut. In einigen Tagen will die Betreiberfirma CEZ veröffentlichen, wie dieser Ausbau erfolgen wird.

Wie sehr Oberösterreich dieses Szenario ausgeblendet hat und verleugnet, weil es das Eingeständnis einer Unterlegenheit und Niederlage bedeutet, zeigt der Ablauf dieser Woche. Überraschend ist US-Außenministerin Hillary Clinton in Prag gelandet. Das Thema ihres Besuchs lautete: Temelin. Clinton macht sich stark für eine Vergabe des Zehn-Milliarden- Dollar-Auftrages zum Temelin-Ausbau an ein von Westinghouse geführtes US-Konsortium. Dieses konkurriert mit einem russisch-tschechischen Anbieter, und diese Konstellation katapultiert Temelin in die Höhen der Weltpolitik. Clinton argumentierte in Prag, ein Zuschlag an den russischen Bieter würde die Energieabhängigkeit Tschechiens und damit auch Mitteleuropas von Russland verschärfen. Gewinnt Moskau oder gewinnt Washington, lautet die Fragestellung.

Angesichts dieses Duells zweier Weltmächte schrumpft der heimische Anti-Temelin-Widerstand zur Randnotiz. Doch davon unbeirrt leistet sich die oberösterreichische Politik weiterhin den Luxus, ehrbare, aber unterlegene Anti-Temelin-Gruppen zu finanzieren. Landessubventionen dienen der Aufrechterhaltung der Illusion, Temelin sei doch noch zu verhindern. Höchste Zeit, dieser Lüge und dem Selbstbetrug ein Ende zu machen und sich mit der Realität zu arrangieren. Das Kraftwerk existiert. Österreich will es nicht. Diese Ablehnung zu vermitteln, ist Aufgabe der Politik. Die Aktivisten können ihren Widerstand beibehalten. Aber bitte nicht länger als vom Land bezahlte und quasi-pragmatisierte Kostgänger.

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Artikel Gerald Mandlbauer 07. Dezember 2012 - 00:04 Uhr
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