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Gefeiertes Konzil, ignorierter Katechismus

Das Konzil ist ein Grund, zu feiern – der Katechismus nicht

Die römisch-katholische Kirche begeht morgen den 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Offiziell wird das von fast allen gefeiert. Inoffiziell tun sich nicht wenige schwer mit dem Jubiläum: Was ist vom Aufbruch geblieben, fragen die einen. Ist das Konzil nicht zumindest mitschuldig an der Kirchenkrise, provozieren andere. Jüngere Menschen wissen kaum, was das Konzil eigentlich war – und nur jene, denen Kirche ein Anliegen ist, fragen danach. Dennoch: Das Konzil war ein Aufbruch für die Kirche, den sie auch heute bitter nötig hätte. Deshalb ist es richtig, das Konzil zu feiern – und weiterzudenken.

Schwieriger ist dagegen der Umgang mit dem „Jahr des Glaubens“, das der Papst ausgerufen hat. Aus romtreuen Kreisen kommt bereits das Lamento, dass der Kern dieser Initiative unterzugehen drohe. Dabei, so das an sich richtige Argument, wäre eine Betrachtung der Glaubensinhalte, die immer weniger Menschen kennen, wichtig. Denn das Christentum hat eine frohe Botschaft: Der Mensch ist erlöst und zur Auferstehung berufen, dem Reuigen werden die Sünden vergeben, den Benachteiligten wird Gottes Nähe zugesagt. Dazu kommt die anspruchsvolle Aufgabe, dem Beispiel Jesu Christi zu folgen.

Das Problem beginnt, wenn es um den „römischen“ Glauben geht. Denn der Papst propagiert einmal mehr den vor 20 Jahren veröffentlichten, weithin aber ignorierten Katechismus der katholischen Kirche. In ihm steht zweifellos viel grundlegend Christliches. Aber egal, ob man den großen Band hernimmt, das Kompendium oder den nicht weniger konservativen Youcat: Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass nicht wenige Katholiken negativ überrascht wären über einzelne Punkte, welche ihre Kirche nach wie vor zum Glaubensgut zählt: dass es einen gefallenen Engel alias Teufel gibt; dass Sünder im „Fegefeuer“ gereinigt werden und dass man dort befindlichen Verstorbenen mit Fürbitten, Almosen, Ablässen und Bußwerken helfen kann. Viele haben Probleme mit „unbefleckter Empfängnis“, ganz zu schweigen von Roms Sexualmoral.

So gesehen kann man Religionslehrer verstehen, die den Katechismus lieber nicht im Unterricht verwenden, sondern direkt Christi Botschaft vermitteln. Und man kann es Katholiken nicht verdenken, wenn sie im „Jahr des Glaubens“ lieber das Konzil feiern als den Katechismus lesen.

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Artikel Heinz Niederleitner 10. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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