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Der Pendler aus der Notenbank

Linz-Wien-Frankfurt: Ewald Nowotny startete als Wissenschaftler und Politiker in Oberösterreich. Beim Bawag-Desaster wurde er als roter Retter gefeiert. Heute ist er im EZB-Rat eine Schlüsselfigur im Kampf gegen die Schuldenkrise. Das bringt ihm Respekt ein – und erbitterte Feindschaft.

Der Flug von Wien-Schwechat nach Frankfurt dauert 90 Minuten. 30 Minuten sind für die Fahrt in die Kaiserstraße 29 einzukalkulieren. Dort, im Eurotower, hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Hauptquartier.

Ewald Nowotny pendelt mindestens zwei Mal pro Monat von der Donau an den Main. Überdies ist er im In- und Ausland bei Tagungen, an runden Tischen, bei Mega-Konferenzen und diskreten Meetings ein gefragter Mann.

Körperliche Belastung

Seit der großen Krise 2008 sind die Ansprüche stark gestiegen. Für den 67-Jährigen ist das strapaziös. „Natürlich sind die Anforderungen, die sich schon seit drei Jahren ergeben, gewaltig“, so Nowotny zu den OÖNachrichten. „Das gilt für die inhaltliche Seite und für die körperliche Belastung, allein aus der intensiven Reisetätigkeit.“ Er könne aber auf das Fachwissen und die Einsatzbereitschaft der Kollegen in der Bank bauen.

Als Gouverneur der Nationalbank ist der ehemalige Linzer Uni-Assistent eine Schlüsselfigur im Euro-Drama. Nicht dass die österreichische Notenbank so wichtig wäre – sie hat ihre nationale Bedeutung weitestgehend eingebüßt. Aber als Chef der Zentralbank eines Euro-Landes sitzt Nowotny im EZB-Rat, der über die Geldpolitik im Euro-Raum entscheidet.

„Die EZB hat in den vergangenen Jahren ein starkes Profil entwickelt und etwa in Fragen der Preisstabilität mit knapp unter zwei Prozent Inflationsrate eine Punktlandung hingelegt“, rühmt Nowotny. „Und sie ist in der Finanzkrise ein verlässlicher Partner.“

Streng vertraulich

Wie es im EZB-Rat zugeht, ist streng vertraulich. Währungsfragen sind delikat. Die 23 Mitglieder (sechs aus dem Direktorium, 17 aus den jeweiligen Notenbanken) haben unterschiedliche Philosophien. Österreich hat sich ideologisch stets stark an Deutschland angelehnt.

Nowotny, so ist inoffiziell zu hören, hat sich in Frankfurt Respekt und Vertrauen erarbeitet. Diese Zuschreibungen begleiten ihn sein ganzes Berufsleben lang – mit einer Ausnahme.

Seine Eltern waren Wiener Altphilologen, die mit ihm bei Tisch Latein sprachen. Während des Jus-Studiums war er im Verband Sozialistischer Studenten aktiv gegen den „konservativen Mief“. 1967 ging er an die Uni Linz. In der Stadt kam er in den Parteivorstand der SPÖ. Ab 1978 gehörte er 21 Jahre lang dem Nationalrat an und leitete den Finanzausschuss. Er war ein solider Sacharbeiter, Kopf statt Bauch, kein Star – so blieb ihm die große Polit-Karriere verwehrt. „Ich brauch’ kan Professor, sondern einen Politiker!“ Mit diesen Worten lehnte der damalige Kanzler Viktor Klima die Berufung Nowotnys zum Finanzminister ab. Später verhinderte ihn VP-Kanzler Schüssel als Notenbankvorstand – „zu rot“. Auch als EU-Kommissar war er im Gespräch.

Delle durch den Swap

Stattdessen bekam er 2006 ein Himmelfahrtskommando: Er sollte die Bawag, deren Management Milliarden versenkt hatte, retten. Tatsächlich gelang es ihm, die Gewerkschaftsbank über Wasser zu halten. Doch aus der Zeit stammt eine Delle in seiner beruflichen Biographie.

Unter Nowotny schloss die Stadt Linz mit ihrer Hausbank einen Swap ab, eine Art Kurs-Zins-Wette. Durch den Kursanstieg des Schweizer Franken stieg der Swap-Wert auf mehrere hundert Millionen, die von der Stadt zusätzlich zur Kreditschuld zu zahlen wären. Diese Abläufe prüft ein U-Ausschuss. Im Herbst 2011 sagte Nowotny aus, der Deal sei „vier Ebenen“ unter ihm gemacht worden, von Einzelgeschäften wisse er nichts. Im Ausschuss blieb jedoch der Eindruck, dass Nowotny der Vorgang höchst unangenehm ist.

Den Gouverneursposten bekam er 2008 als Nachfolger des VP-nahen Klaus Liebscher. Der Job ist mit 286.000 Euro Jahresgage vergleichsweise mager dotiert; der Schweizer Nationalbankboss bekommt umgerechnet 898.000 Euro.

Das Geld ist auch Schmerzensgeld. Nowotny gehört zu den Lieblingsfeinden von FP-Strache: Der Banker sei rücktrittsreif, ein „Versager“, er dulde „Pyramidenspiele“ und sei blind als Bankenaufseher.

Nowotny nimmt solche Zurufe von der Outlinie gelassen. Er glaubt, „dass viele Politikern den Ernst der Lage verstanden haben. Die Rückstufung der Bonität war ein Weckruf.“ Er hofft auf „ernsthafte Reformen“.

Doch die Schieflage wird andauern. Das gibt genug Arbeit für einen, der das gesetzliche Pensionsalter schon überschritten hat.

 

Die gesammelten Kolumnen von Christoph Kotanko finden Sie auf nachrichten.at/kotanko

E-Mail: c.kotanko@nachrichten.at

1
Ein Mann der nichtssagenden Worte · von gegenstrom (5974) · 27.04.2012 09:49 Uhr

Wenn man dem zuhört, dann ist man nachher genau so klug wie vorher - denn außer viel Worte sagt er NICHTS konkretes!

Was wäre wenn man die Nationalbank abschaffen würde - die braucht man sicher nicht mehr seit die EZB regiert!

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2
Ein Mann der nichtssagenden Worte · von eulenauge (16071) · 27.04.2012 10:41 Uhr

Das gehört zur Job-description bei einem Notenbänker.

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3
stetig geladener gast · von peas (1183) · 20.01.2012 11:48 Uhr

auf der insezenierten orf puppenbühen, das ist meine assoziation. die feuerlöscher verrichten ihre arbeit. der eine medial über den orf, der andere im hintergrund als berater oder anwalt - moral und ethik ade.

eigentlich müsste der mündige orf zuseher den viel-zitierten wanderpredigern eines novotnyschen zuschnitts, durch einfaches kanal-wechseln oder ausschalten, den schwachsinn aus dem redenden kopf ins digitale rauschen des fernsehens entweichen lassen - so einfach wäre es.

der herrn muss man aber lassen, dass er mit 67 erstaunlich juvenil aussieht, scheinbar bekommt man je nach individueller stressresistenz weniger schnell graue haare. andere hingegen reagieren bei zunehmendem öffentlichen druck mit der ausbildung eines sogeannten sauschädels.

ja, so unterschiedlich sind die menschen eben grinsen

(2)
Artikel 20. Januar 2012 - 00:04 Uhr
Christoph Kotanko
Bild vergrößern Der Pendler aus der Notenbank

Helfende Hand bei der Rettung der Bawag   Bild: apa

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