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Zwei mit Zukunft: Warum Hundstorfer und Mitterlehner im Gleichschritt gehen

WIEN. Rot-schwarzer Paarlauf: Die zwei überstanden bisher jeden Hader der Tagespolitik. Das weckt Misstrauen in der eigenen Partei. Doch ihre beruflichen Aussichten sind intakt: Obmann oder Bundespräsident.

Zwei mit Zukunft: Warum Hundstorfer und Mitterlehner im Gleichschritt gehen

Mitterlehner (re.) sagt zu Hundstorfer, sie seien sehr wohl "ideologisch in unterschiedlichen Lagern zu Hause". Bild: APA

"Pfleger mit Herz" heißt die Auszeichnung, die Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SP) und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (VP) am Mittwoch in Wien neun Preisträgern überreichten.

Es war einer von dutzenden gemeinsamen Auftritten in diesem Jahr. Sogar zum VP-Heurigen von Landeshauptmann Josef Pühringer im Juni kamen sie miteinander – zur Verblüffung des Gastgebers.

Für so viel Gemeinsamkeit gibt es gute Gründe. Der 62-jährige Hundstorfer, ein Urwiener, und der 58-jährige Mühlviertler Mitterlehner verkörpern die Sozialpartnerschaft in der Bundesregierung. Der eine war ÖGB-Chef, der andere Topmann der Wirtschaftskammer. Beide kennen die Vorteile der Klientelpolitik – und ihre Fesseln.

Reformen als Mutprobe

"Wir haben beide das Verhandeln von der Pike auf gelernt und teilen nicht jeden Schritt der Öffentlichkeit mit, sondern kommunizieren die Ergebnisse", sagt Mitterlehner zur Stilfrage: "Wir kritisieren uns nicht öffentlich, sondern tragen die unterschiedlichen Standpunkte intern aus."

Weil sie Kompromisse und nicht Konflikte wollen, geraten beide zuweilen in der Partei in Verruf. Hundstorfer "denkt schon mit dem Kopf der Wirtschaft", murren Rote, vor allem im AK-Bereich. Mitterlehner sei beinahe "Hundstorfers Staatssekretär", ätzen Hardcore-Wirtschaftsbündler.

Im Kreis von Kammerherren wurde Mitterlehner unlängst vorgehalten, ihm fehle für harte Reformen der Mumm. Das mündete in den Zwist darüber, ob radikale Neuerungen bei Wahlen honoriert werden. Mitterlehner meint: nein.

Da ist er eines Sinnes mit Hundstorfer, der beim Pensionssystem am liebsten auf "Beobachten und Melden" setzen würde.

Ihren Karriereweg werden die beiden noch eine Zeit lang im Gleichschritt gehen. In der harmoniebedürftigen Republik haben sie die perfekte Arbeitsteilung.

Vorhersehbar ist aber, dass sich Hundstorfer 2015, spätestens 2016 neu orientieren muss. Im Oktober 2015 wählt Wien, ein Absturz der SPÖ ist absehbar.

Wird für den ersten Fiaker Michael Häupl ein Nachfolger gesucht, hat Hundstorfer als Kompromisskandidat Vorrang.

Hoffnung Hofburg

Ist er in Wien wider Erwarten nicht gefragt, kann er 2016 als Präsidentschaftskandidat antreten. Erfahrung und Gleichmut hat er.

So hoch würde Mitterlehner nicht steigen. Doch Parteichef kann er werden, falls Michael Spindelegger wegen der Dreifachbelastung Vizekanzler, Finanzminister, Parteichef patzt. Mitterlehner wäre der gemeinsame Nenner aller Gegner des "Ostblocks" in der VP.

Vorerst hat er eine andere Herausforderung: Die Wissenschaft, seine neue Co-Zuständigkeit, ist für ihn unbekanntes Gebiet.

 

Reformer und Bremser, immer Im Zweierpack

Dass sich zwei Politiker über die Parteigrenzen hinweg zusammentun, ist in Österreich nicht ungewöhnlich. Der rote Gewerkschafter Anton Benya und der schwarze Wirtschaftskammerchef Rudolf Sallinger (Bild oben) waren jahrzehntelang das Sinnbild der Sozialpartnerschaft. Eine Reformgemeinschaft in der Steiermark bildeten nach langem, erbitterten Streit Landeshauptmann Franz Voves (SP) und VP-Vize Hermann Schützenhöfer (Bild Mitte). Die Pensionspolitik bestimmen maßgeblich der VPler Andreas Khol und SP-Urgestein Karl Blecha (Bild unten); sie sind bei Änderungen auch Bremser. Einen rot-schwarzen Interessenverbund pflegen auch der Wiener Michael Häupl und Niederösterreichs Erwin Pröll.

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Artikel Christoph Kotanko 20. Dezember 2013 - 00:04 Uhr
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