30. Dezember 2016 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Kotanko

Ost-West-Konflikt im Gemeindebund: Kraftprobe um neuen Präsidenten

Ost-West-Konflikt im Gemeindebund: Kraftprobe um neuen Präsidenten

Neue Rollenverteilung: Mödlhammer mit dem Salzburger Verbandschef Mitterer Bild: Gemeindebund

WIEN. Schlüsselland Oberösterreich: Im Jänner tritt eine Wahlkommission zusammen, um für die Vertretung von 2100 Gemeinden einen neuen Chef zu finden. Die Länder im Westen wollen keinen Niederösterreicher.

Der Österreichische Gemeindebund hat sein Hauptquartier in der Löwelstraße, ein Nachbar ist das Bundeskanzleramt.

Der Regierungschef ist mächtiger, doch der Einfluss der Interessenvertretung ist nicht zu unterschätzen. Sie bündelt die Anliegen von rund 2100 Gemeinden zwischen Hörbranz und Kittsee.

Nach außen wird der Gemeindebund durch seinen Präsidenten vertreten. Seit 1999 hat Helmut Mödlhammer diese Funktion. Der frühere Bürgermeister der Salzburger Gemeinde Hallwang gibt 2017 das Präsidentenamt ab.

Die Suche nach dem Nachfolger wird von einem Ost-West-Konflikt überschattet. Chancen rechnet sich der Niederösterreicher Alfred Riedl aus, Bürgermeister von Grafenwörth, Wirtschaftstreuhänder, VP-Landtagsabgeordneter. Er wurde von Landeshauptmann Erwin Pröll mit dem "Silbernen Komturkreuz" des Landes dekoriert und kann bei einer Bewerbung natürlich auf den Beistand Niederösterreichs zählen.

Machtdrang schafft Misstrauen

In anderen Bundesländern werden Riedls Ambitionen aus mehreren Gründen misstrauisch beäugt. Der Machtdrang der Niederösterreicher ist vielen nicht geheuer. Außerdem ist Niederösterreich im Gemeindebund bereits hochrangig vertreten: Generalsekretär ist Hofrat Walter Leiss aus Mistelbach, früher Klubdirektor der ÖVP in St. Pölten. Und: Riedl ist mit 64 Jahren nur wenige Monate jünger als Mödlhammer.

Nun wird nach Alternativen gesucht. Einer, der wohl die Mehrheit bekäme, ist der Oberösterreicher Hans Hingsamer (60), Präsident des Landesverbandes, Bürgermeister der Innviertler Gemeinde Eggerding, VP-Landtagsabgeordneter. Doch Hingsamer wird nicht kandidieren. Er sagt im Gespräch mit den OÖNachrichten unmissverständlich ab: "Ich wurde von mehreren Seiten angesprochen, für Mödlhammers Nachfolge zu kandidieren. Aber ich habe mich entschieden, nicht anzutreten."

Mehr will Hingsamer nicht sagen, doch der Grund für die Absage liegt auf der Hand: Ein österreichischer Gemeindepräsident muss ein Netzwerk in Wien aufbauen; mit Jobs im Heimatort und in Linz ist das unvereinbar.

Bleiben zwei mögliche Kandidaten: der Bürgermeister von Sölden, Ernst Schöpf, und der Ortschef von St. Johann im Pongau, Günther Mitterer.

Bei der Entscheidung ist Oberösterreich (442 Gemeinden) das Schlüsselland: "Legt sich Oberösterreich auf einen Kandidaten fest, wird er Präsident", sagen Insider.

Sowohl Schöpf als auch Mitterer könnten auf die "Westachse" (Salzburg-Tirol-Vorarlberg) bauen. Nun ist Schöpf in Sölden, Österreichs flächengrößter Gemeinde, ziemlich ausgelastet. Er dürfte Mitterer den Vortritt lassen.

Diskrete Weichenstellung

Der Obmann des Salzburger Gemeindeverbandes – Mödlhammer war dort sein Vorgänger – wurde 1959 in Bad Ischl geboren; seit 2003 ist er Bürgermeister im Pongau. Herausforderungen nimmt er sportlich: Mitterer war zwanzig Jahre aktiver Gewichtheber und Schiedsrichter für internationale Stemmer-Bewerbe.

Formal entscheiden 65 Delegierte bei der Sitzung des Bundesvorstandes am 29. März in Wien. Die Weichen werden jedoch in einer Wahlkommission gestellt, die im Jänner erstmals zusammenkommt. In diesem Gremium wird diskret versucht, einen offenen Konflikt zu vermeiden und einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Mödlhammer hat Erfahrung mit dieser kniffligen Situation. Bevor er vor 17 Jahren erstmals zum Präsidenten gewählt wurde, gab es ein Duell Steiermark gegen Salzburg.

Auch der Ortschef von Schladming, Hermann Kröll, machte sich Hoffnungen auf das hohe Amt.

Alles sah nach einer Kampfabstimmung zwischen den zwei Bürgermeistern aus; erst im letzten Moment zog Kröll die Gegenkandidatur zurück.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/Ost-West-Konflikt-im-Gemeindebund-Kraftprobe-um-neuen-Praesidenten;art109300,2442344
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