05. August 2016 - 00:04 Uhr · OÖN · Kotanko

"Niemand muss sich fürchten": Mehr Migranten für den öffentlichen Dienst

"Niemand muss sich fürchten": Mehr Migranten für den öffentlichen Dienst

SP-Staatssekretärin Muna Duzdar: Die Republik nimmt als Arbeitgeber eine Vorreiterrolle ein. Bild: OÖN / Johannes Zinner

WIEN. WIEN. Stellenpläne. Muna Duzdar sieht den Staatsdienst als Abbild der Gesellschaft; daher sollen verstärkt Migranten aufgenommen werden. GÖD-Boss Neugebauer ist dafür – allerdings mit Einschränkungen.

Die Ankündigung von Staatssekretärin Muna Duzdar, verstärkt Zuwanderer im öffentlichen Dienst aufzunehmen, kommentiert er knapp: "Wir wissen nicht, wer Migrationshintergrund hat." Aus zwei Gründen: "Wir sind mit der Integration so weit, dass wir solche Daten nicht erfassen. Und wir dürften es wegen des Datenschutzes auch gar nicht."

Bei der Polizei, so Kovar, "redet man schon lange nicht mehr über Zahlen oder Quoten. Wir nehmen Bewerber, die gut sind. Punkt."

Fritz Neugebauer, der Chef der Beamtengewerkschaft, ist – entgegen seinem Ruf als Bremser – aufgeschlossen für Diversität, Chancengleichheit, ethnische und kulturelle Vielfalt. Er stimmt auch mit Duzdar überein, dass der öffentliche Dienst eine Vorreiterrolle ("Visitenkarte des Staates") einnimmt.

Doch über zwei Punkte will er nicht diskutieren: § 42 des Beamtendienstrechts bestimmt, das Positionen, "die eine besondere Verbundenheit zu Österreich voraussetzen", heimischen Staatsbürgern vorbehalten sind. Neugebauer zu den OÖNachrichten: "Niemand muss sich fürchten, dass Leute einen Zugang bekommen, die nicht den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen." Das gelte nicht nur für Beamte, sondern auch für Vertragsbedienstete: "Wir sind auf dem Weg, beide Dienstrechte zu vereinen."

Fragwürdige Deutsch-Prüfung

Außerdem gebe es eine "hohe Sensibilität", dass nur fachlich geeignete Bewerber zum Zug kommen. In anderen Ländern wurde eine Art Migrantenbonus eingeführt. Der Wiener Polizeigeneral Karl Mahrer sprach einmal von einer "Zwei-Klassen-Polizei", die es in deutschen Städten gebe. Dort bekamen Kandidaten mit Migrationshintergrund Extrapunkte für "kulturelle Erfahrung". Dafür wurde bei der Deutsch-Prüfung manchmal ein Auge zugedrückt.

Muna Duzdar (sie ist die Tochter palästinensischer Einwanderer, Muttersprachen sind Deutsch und Arabisch) ist gleichfalls gegen Sonderrechte für Migranten.

Die Juristin präzisiert ihre Vorstellungen: Ihr gehe es darum, das "Diversitätsmanagement" im öffentlichen Dienst zu stärken. Das Streben nach Vielfalt umfasse viele Bereiche, etwa Alter, Geschlecht, Behinderung und auch – "aber bei weitem nicht nur" – die ethnische Vielfalt. Natürlich erfolge die Aufnahme weiterhin nach dem Ausschreibungsgesetz und nach der besten Eignung für den Job.

Wie viele Personen mit Migrationshintergrund schon im Dienst der Republik sind, weiß Duzdar nicht; solche Informationen werden nicht im Personalakt erfasst.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/Niemand-muss-sich-fuerchten-Mehr-Migranten-fuer-den-oeffentlichen-Dienst;art109300,2308840
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