09. September 2016 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Kotanko

Mobilitäts-Minister: Wie Leichtfried für den Verkehr von morgen plant

Mobilitäts-Minister: Wie Leichtfried für den Verkehr von morgen plant

Verkehrsminister Leichtfried studiert zukunftsfähige Produkte und Prozesse in Skandinavien Bild: Johannes Zinner

GÖTEBORG. Stillbeschäftigung. Jörg Leichtfried ist ein unauffälliges Regierungsmitglied. Doch der Steirer hat zwei wichtige Themen: Neue Formen der Fortbewegung und Verkehrssicherheit. Mit Bremsern ist zu rechnen.

Wer wissen will, in welche Richtung Europa unterwegs ist, muss den skandinavischen Weg studieren. Österreichs Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SP) macht das genau und bedächtig, wie es seinem Naturell entspricht.

Der Steirer ist kein Draufgänger, eher ein Facharbeiter. Im EU-Parlament lernte er 2004–2014 die Schlaglöcher der Verkehrspolitik kennen. Jahrelang bekämpfte er die Gigaliner, riesige Lkw, die die Umwelt belasten. Kritiker meinen, dass er auch von den ÖBB motiviert wurde – die Bahnen wollen keine zusätzliche Konkurrenz.

Als Verkehrslandesrat musste er ebenfalls mit dem Wechselspiel von Gasgeben und Bremsen leben.

Neue Formen der Fortbewegung und die Verkehrssicherheit sind Leichtfrieds Hauptanliegen. Diese Woche ließ er sich bei einer Studienreise in Oslo und Göteborg den Elektro-Fahrzeugmarkt erklären, Testfahrten inklusive. Er besichtigte mit Journalisten eine Schnellladestation, lauschte Vorträgen zur e-Mobilität und wurde bei Volvo in das schwedische Innovationsprogramm eingeführt.

"Weniger fehleranfällig"

"In der Politik muss man selbst Ideen haben", sagt Leichtfried. "Aber man sollte sich auch viele Best-Practice-Beispiele anschauen. Dann ist man weniger fehleranfällig." Elektrofahrzeuge müssten zuverlässig, leistbar und alltagstauglich sein.

In Norwegen fördert der Staat durch enorme Steuervorteile die e-Mobilität; die Ersparnis beim Kauf eines "grünen" Mittelklassewagens beträgt umgerechnet 8000 Euro. Auch die Ladestationen werden massiv gefördert. "Es muss einen Vorteil beim Kauf und beim Betrieb geben", erklärte der norwegische Verkehrsminister Solvik Olsen am Mittwoch seinem Besucher Leichtfried. Bis 2025 soll es mehr elektrische als konventionelle Autos geben.

Österreich bräuchte eine nationale Kraftanstrengung, um ähnlich weit zu kommen.

Leichtfried sind die Abstimmungsprobleme zwischen Bund, Ländern, Gemeinden bewusst. Es gibt verschiedene Förderungen für e-Mobilität, eine Strategie fehlt. Wie immer ist mit Bremsern zu rechnen. Große steuerliche Kaufanreize sind kaum zu stemmen; Leichtfried will "Zuschussmodelle im vernünftigen Rahmen." Bis zum Herbstende soll es in Kooperation mit Energieversorgern ein e-Mobilitätspaket geben.

Zur Hebung der Verkehrssicherheit setzt der Minister u. a. auf Alko-Locks. Bei der Wegfahrsperre kann der Motor erst nach Messung des Atem-Alkoholgehalts gestartet werden. Schweden ist dabei weltweit führend. Auch die "Vision Zero" kommt von den Schweden: Durch bauliche Maßnahmen (Trennung der Fahrstreifen etc.) soll die Zahl der Verkehrstoten auf Null gesenkt werden. Leichtfried gefällt, was er in Göteborg sah: "Ich habe auch visionäre Ansprüche. Null Verkehrstote gehört dazu."

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/Mobilitaets-Minister-Wie-Leichtfried-fuer-den-Verkehr-von-morgen-plant;art109300,2339868
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