24. März 2017 - 00:04 Uhr · Christoph Kotanko · Kotanko

Johanna, die Erste: Was von der Landeshauptfrau zu erwarten ist

Johanna, die Erste: Was von der Landeshauptfrau zu erwarten ist

Designierte Landeshauptfrau Mikl-Leitner, Vorgänger Erwin Pröll: Niederösterreich ist der Stabilitätskern der ÖVP Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

ST. PÖLTEN. Hofübergabe. Heute zieht sich Erwin Pröll als Landesparteichef zurück. Am 19. April bekommt Niederösterreich seine erste Landeshauptfrau. Johanna Mikl-Leitner will mehr gestalten als gefallen.

Als alles entschieden war, wurde es launig. "Wer Erwin Pröll nachfolgt, muss in große Fußstapfen treten", sagte seine designierte Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner nach dem ÖVP-Vorstand am 18. Jänner. "Mit der Last der Verantwortung wachsen sicher auch noch die Füße um diese eine Nummer", antwortete Pröll und deutete auf seine 42er.

Heute beginnt der Landesparteitag, bei dem Pröll gebührend verabschiedet wird; morgen wird Mikl-Leitner zur Obfrau gewählt.

Gewechselt werden Mensch und Marke. Niederösterreich ist der Stabilitätskern der ÖVP, den Pröll mit allen Mitteln schützte. Bauern, Bürgermeister, Beamte: Das ist die Bastion. Der Vollblutpolitiker verteidigte bei seiner letzten Landtagswahl 2013 die Absolute, allerdings nur knapp (50,8 Prozent).

Dass Johanna die Erste das Kunststück wiederholt, ist nicht zu erwarten. Erstens verändert sich auch in St. Pölten das Umfeld; Pröll war der letzte Vertreter eines alten Polit-Stils. Zweitens hat Mikl-Leitner – bei aller Robustheit – nicht Prölls rohen Machtinstinkt. Als Ministerin in einer Koalition hat sie gelernt, dass man fallweise eben Kompromisse machen muss.

Mikl-Leitners Grundhaltung: Als Pröll vor 25 Jahren antrat, ging er neue Wege; wenn nun sie antritt, wird sie das auch tun – nach dem Motto: "Neue Herausforderungen verlangen neue Antworten."

"Transparenter und moderner"

Dass sie die erste Frau an der Landesspitze ist, will sie nicht überbetonen. Wer sie bloß auf die Landes-Hauptfrau reduziert, wird ihr ohnehin nicht gerecht. Die ehemalige HAK-Lehrerin will nicht nur gefallen, sondern auch gestalten.

Dazu braucht sie zuerst einmal Zeit. Die nächste Landtagswahl muss spätestens im März 2018 stattfinden. Die Frist wird ausgereizt. "Je länger sie in ihrer neuen Funktion wahrgenommen wird, umso besser ist es für sie", sagen Mikl-Leitners Wahlstrategen.

Zu erwarten ist, dass die frühere ÖAAB-Chefin Wirtschaft und Arbeit noch mehr betont als Pröll; Betriebsansiedelungen sind ein heißes Thema. Das soll ihr den Zuspruch des Mittelstandes sichern. Sie wird auch ihre EU-Verbindungen spielen lassen; als Ministerin ging sie in Brüssel ein und aus.

Ihr stärkster Mitbewerber, der SPÖ-Landesvorsitzende Matthias Stadler, wartet vorerst ab, "in welcher Qualität die Landeshauptfrau die Zusammenarbeit fortsetzt".

Niederösterreich müsse "transparenter und moderner werden. Das ist unsere unbedingte Anforderung", sagt Stadler. Im Land gebe es riesige Unterschiede "zwischen prosperierenden Regionen und solchen, die an der Entwicklung nicht teilhaben". Der öffentliche Verkehr müsse in allen Landesteilen ausgebaut werden, nicht nur entlang der Hauptstrecken. Stadler zu den OÖNachrichten: "Da reicht es nicht, ein paar Bahnhöfe zu behübschen."

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/Johanna-die-Erste-Was-von-der-Landeshauptfrau-zu-erwarten-ist;art109300,2519794
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