23. September 2016 - 00:04 Uhr · · Kotanko

„Ich war nie käuflich“: Ex-Miss World als Stronachs letzte Vertraute

Ex-Miss-World Ulla Weigerstorfer Bild: apa

EBREICHSDORF. Ulla Weigerstorfer ist seit Dezember 2013 Nationalratsabgeordnete für das Team Stronach. Sie wurde als Überläuferin zur ÖVP gehandelt, doch sie bleibt bei „Frank“. Über ihre Erfahrungen und Pläne sprach sie mit den OÖNachrichten.

Eine "Speedparty" für Autonarren, ein Springturnier "mit Oktoberfest", ein Trabrenntag mit Brunch: Ulla Weigerstorfer (49) soll als Geschäftsführerin von Frank Stronachs "Magna Racino" Leben in die Bude bringen.

Ihr Zweitberuf ist Nationalratsabgeordnete. Am 2. Dezember 2013 übernahm sie nach dem Rücktritt von Monika Lindner als Nachrückerin deren Mandat.

Im Parlament ist die gebürtige Steirerin die letzte Vertraute des Parteigründers. Die Fraktion ist seit 2013 von elf auf sechs Mitglieder geschrumpft; vier wechselten zur ÖVP, eine landete bei der FPÖ.

Stronach zerstritt sich mit seiner langjährigen Weggefährtin Kathrin Nachbaur ebenso wie mit dem amtierenden Klubchef Robert Lugar. Der kokettiert immer deutlicher mit den Blauen.

Auf die Loyalität Weigerstorfers – sie steht seit 2003 auf Stronachs Payroll – kann er sich verlassen. "Sie ist nicht nur hübsch, sondern auch sehr gescheit", lobte der Milliardär einmal die Ex-Miss World.

Viele Motten flogen zum Licht

Ihre Gegner im Parlament verhöhnten sie beim Einzug als Laienpolitikerin und "echte Expertin für Miss-Wirtschaft. Weil sie einst in der ORF-Kabarettreihe "Tohuwabohu" mitspielte, hieß es über die Neo-Politikerin: "Erst Tohuwabohu, dann Team Stronach." Als die Austrittswelle anrollte, erwarteten viele ihren Wechsel zur ÖVP.

Doch sie blieb – und bleibt, wie sie zu den OÖNachrichten sagt: "Ich bin keine Ansprechpartnerin für Machtkämpfe, stehe auch gern in der zweiten oder dritten Reihe. Ich war auch nie käuflich. Dass ich zu einer anderen Partei gehen könnte, schließe ich aus."

Die Turbulenzen, die Stronachs ehrgeiziges Politprojekt weitestgehend ruinierten, kommentiert sie kühl: "In der Anfangsphase sind ganz viele Motten zum Licht geflogen. Da ist – auch aus Unerfahrenheit – viel passiert. Doch das ist Vergangenheit. Mit seinen Inhalten hat Frank nach wie vor recht. Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen wie ihn."

Zu den Besonderheiten Weigerstorfers gehört, dass sie sich trotz ihres Mandats "nicht als Politikerin" sehen mag: "Ich bin eine Bürgervertreterin, die nicht im System gewachsen, sondern quer eingestiegen ist." Das sei "in der Opposition ein Vorteil. Aber wenn man Dinge bewegen will, ist es sicher ein Nachteil".

Weil sie so wenige sind, sollten die Stronach-Abgesandten Fachleute für fast alles sein. Weigerstorfer ist Sprecherin für Bauten, Gesundheit, Forschung, Kunst und Kultur, Sport, Umwelt, Wissenschaft. Zusätzlich fungiert die Mutter einer elfjährigen Tochter als Präsidentin der Parteiakademie und Wiener Landesobfrau.

"Nicht die Welt niederreißen"

Parlamentarische Erfolge sind unter diesen Bedingungen rar. Weigerstorfer fällt im Hohen Haus durch sehr viele Anträge und Aussendungen auf. Sie äußert sich zur Forschungsförderung ("Umdenken notwendig") ebenso wie zur Streikdrohung der Spitalsärzte ("Gesundheitspolitik in der Sackgasse") oder zur "Entpolitisierung" des Sports. Notfalls macht sie auch noch den Nachruf auf Manfred Deix ("einzigartiger Blick in die österreichische Seele").

Die Pferdesportlerin hält sich zugute, an der Straferhöhung für Tierquälerei mitgewirkt zu haben. Sie war auch Vorkämpferin gegen Tauschbörsen für exotische Tiere. Und sie betont, sie habe auf die Risiken von TTIP schon zu einer Zeit hingewiesen, als das Freihandelsabkommen die Spielwiese einiger Spezialisten war. Mehr als ein paar Punktegewinne seien nicht drin: "Ich habe mir nie gedacht, ich kann die Welt niederreißen."

Wie geht es nach der nächsten Nationalratswahl weiter? Das Team Stronach ist Geschichte, unter dem Namen wird niemand mehr antreten, sagt Weigerstorfer, "aber vielleicht als Team Österreich oder so ähnlich". Sie wäre dabei, wenn Stronachs Geist bewahrt wird. Ein Mandat braucht sie nicht unbedingt: "Ich habe ein Leben neben der Politik. Und ich muss niemandem mehr was beweisen."

Die Ex-Miss als Franks Gehilfin und „Next flop Model“

Als zweite Österreicherin nach Eva Rueber-Staier (1969) gewann Ulla Weigerstorfer 1987 die Miss-World-Wahl. Sie ist seit Ende 2013 Abgeordnete für das Team Stronach. Beim Einzug ins Parlament wurde die Angestellte des Parteigründers als „Next Flop Model“ und „Expertin für Miss-Wirtschaft“ verhöhnt.

 

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/kotanko/Ich-war-nie-kaeuflich-Ex-Miss-World-als-Stronachs-letzte-Vertraute;art109300,2354032
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