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Hoffnungsträger in der zweiten Reihe: Sechs außergewöhnliche Kandidaten

WIEN. Motive und Ziele. Die Politik braucht Persönlichkeiten, die nicht nur gefallen wollen, sondern auch gestalten. Warum reizt diese Laufbahn einen Psychoanalytiker, eine Biochemikerin, eine Top-Basketballerin?

Sie wollen im Herbst in den Nationalrat einziehen

(Symbolbild) Bild: APA/ROBERT PARIGGER

Der politische Wettbewerb ist asymmetrisch: Wer in der ersten Reihe steht, kann glänzen, alle anderen müssen um die Zuwendung des Publikums buhlen.

Dabei haben alle Parteien in der zweiten Reihe Hoffnungsträger, die sich ihren Weg bahnen.

Der Psychoanalytiker und Unternehmensberater Martin Engelberg ist einer von ihnen. Er steht auf Platz 11 der ÖVP-Bundesliste. Seine Begründung: "Ich bin kein Parteimitglied, aber ich war immer ein politischer Mensch und habe mir schon zu Zeiten von Kreisky oder Sepp Pröll ein Engagement überlegt. Mit Kurz hat es gefunkt."

Engelberg, der auch in der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien aktiv ist, sieht sich als "klassischen Liberalen". Er ist überzeugt, dass in der Republik " grundlegende Veränderungen notwendig sind. Sebastian Kurz ist die Person, mit der das möglich ist".

Diese Überzeugung steht über persönlichen Interessen; ein Parlamentssitz ist kein Muss für ihn.

"Frauenrechte verteidigen"

Petra Steger hat schon ein Mandat. Die Tochter des ehemaligen FPÖ-Obmanns Norbert Steger ist Jugend- und Sportsprecherin der Partei. Letzteres hat mit ihrer Leidenschaft Basketball zu tun. Sie ist Teamkapitänin bei den Flying-Foxes SVS Post. Mit dem Verein wurde sie neun Mal in Serie Staatsmeisterin. Steger hat neben Jugend und Sport zwei Anliegen, die direkte Demokratie und die Frauenrechte. "Die Mitsprache des Volkes darf nicht auf Wahlen begrenzt werden", sagt sie: "Die Hürde für Volksbefragungen muss niedriger werden. Wir wollen auch eine Volksinitiative ermöglichen, wenn bei den Unterstützern eine Hürde übersprungen ist – wobei das Parlament stets einbezogen wäre."

Ihr Engagement für Frauenanliegen begründet Steger mit jüngsten Zwischenfällen, bei denen Frauen zu schaden kamen: "Viele müssen Angst haben, abends auf die Straße zu gehen. Das ist eine Folge der Massenzuwanderung, die uns enorme Probleme bringt." Kurz übernehme FP-Forderungen, "er setzt sie aber nicht um. Die Linke verschließt die Augen vor den Problemen. Die grundlegenden Frauenrechte müssen gegen den radikalen Islam verteidigt werden."

Abgeordnete statt Kräuterhexe

Ebenfalls ideologisch gefestigt, aber bis vor kurzem weitgehend unbekannt ist Pamela Rendi-Wagner. Sie war Spitzenbeamtin im Gesundheitsministerium und hatte in dieser Funktion einige bemerkenswerte TV-Auftritte. Seit März ist sie Gesundheitsministerin und neben dem Parteichef die größte Hoffnung der SPÖ. Die Medizinerin versteht sich "als starke Stimme für die Frauen – damit sie bekommen, was ihnen zusteht."

Ihre persönlichen Werte sind laut SP-Insidern exzellent; auch im APA-Vertrauensindex legt sie zu.

In einer kniffligen Situation sind Beate Meinl-Reisinger von den Neos und der Grüne Werner Kogler. Im rot-schwarz-blauen Dreikampf könnten ihre Parteien ganz an den Rand gedrängt werden.

Die Wienerin ist neben Irmgard Griss die auffälligste Neos-Frau. Sie ist abgehärtet durch die Gemeindepolitik, daher kantig in ihren Aussagen. Ihre ÖVP-Vergangenheit hat sie längst abgelegt.

Dröhnende Zwischenrufe sind auch Koglers Spezialität. Der steirische Volkswirt nimmt gern die ÖVP aufs Korn, scheut aber auch vor Rundumschlägen nicht zurück ("Hier wird die ganze Redezeit verschissen", so Kogler im HYPO-Ausschuss). Der Hartberger stand lange Zeit im Schatten von Eva Glawischnig und Peter Pilz. Jetzt ist er ein Atout der Grünen.

Pilz wiederum hat sich mit der Biochemikerin Renee Schroeder eine prominente Quereinsteigerin geholt. Die Wissenschafterin des Jahres 2002 war seine Schulkollegin. Schroeders Lebensplan war, nach ihrer bevorstehenden Pensionierung auf einem Bergbauernhof alpine Heilkräuter zu züchten. Doch ihre neue Berufung könnte Abgeordnete statt "Kräuterhexe" (so die Eigenbezeichnung) sein.

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Artikel Christoph Kotanko 08. September 2017 - 00:04 Uhr
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