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Die Roten suchen die Reset-Taste: Zwei Männer und eine Frau sollen es richten

WIEN. Pflicht zur Zuversicht. Nach vielen Fehlern versuchen nun die Sozialdemokraten, die ÖVP einzuholen. Neue Gesichter sollen ein altes Programm mehrheitsfähig machen. Ein gewagter, alternativloser Plan.

Die Roten suchen die Reset-Taste: Zwei Männer und eine Frau sollen es richten

Pamela Rendi-Wagner: Die Tropenmedizinerin soll der kraftlosen SPÖ auf die Beine helfen. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Befragt man altgediente SPÖ-Funktionäre zum bisherigen Wahlkampfverlauf, dauert die Aufzählung der Fehler länger als jene der Erfolge.

Klaren Pluspunkt gab es nur einen: die Vorstellung von "Plan A" durch Parteichef Christian Kern zu Jahresbeginn in Wels.

Es folgten unklare Vorgaben des Kanzlers, großspurige Aussagen ("Vollholler"), die kleinlaut zurückgenommen wurden, ein wilder Themenstreit im Team und die seufzende Einsicht, dass Sebastian Kurz besser drauf ist.

Kurz ist ein Surf-Politiker; jeder Wahlkampf braucht eine Welle, seine ist die Flüchtlingswelle.

Doch ab nun wird alles besser, geloben die Roten. Sie besinnen sich auf alte Programm-Tugenden. Der Aufschwung müsse bei allen ankommen, Kompass sei "Plan A" – so die Parole. Die Vordenker verkaufen das als "Refokussierung auf die Zielgruppen".

Jobgarantien, sichere Pensionen, Entlastung niedriger Einkommen – damit will sich die SPÖ am 15. Oktober holen, was ihr (vermeintlich) zusteht.

Die Ausgangsposition ist aus mehreren Gründen elend. Die Parteiorganisation ist flächendeckend schwach. Zu Kreiskys Zeiten gab es 720.000 Mitglieder, heute ist die Aufstellung nachrangig, weil ausgedünnt und überaltert.

Moralisierende Verweigerung

Drängenden Themen wie der Zuwanderung begegnete die SPÖ lange Zeit mit moralisierender Verweigerung. Als Kurz kam, endete der schöne Schein.

Jetzt sollen drei "Frontrunner" den Wahlkampf retten: Neben dem unbestrittenen Vormann Kern die Tropenmedizinerin und Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner sowie Hans Peter Doskozil, gelernter Polizist und Verteidigungsminister.

Doskozil ist den Linken höchst verdächtig. Aber die entscheidende Zielgruppe will den starken Staat. "Ohne sicherheitspolitische Komponente kann die SPÖ nicht überleben", sagt ein Kern-Vertrauter und verweist auf die Historie. Bruno Kreisky habe Erwin Lanc als Garant für die Sicherheit gehabt, Franz Vranitzky baute auf den zupackenden Franz Löschnak.

Die größten Erwartungen lasten auf Rendi-Wagner. Sie ist erst seit kurzem Parteimitglied und intern kaum verankert, soll aber als moderne Frau, "die sich nichts vormachen lässt", die Wählerinnen ansprechen. Ein SP-Insider sagt über Rendi-Wagner: "Sie hat niedrige Bekanntheitswerte, aber sensationelle Imagewerte, ist sozial kompetent und äußerst diszipliniert. Sie wird uns viel bringen."

Edelkomparsen neben den drei Hauptdarstellern sind Kulturminister Thomas Drozda, Staatssekretärin Muna Duzdar, dazu junge, bundesweit noch unbekannte Aufsteiger wie Bürgermeisterin Elisabeth Feichtinger aus Altmünster und die bewährte Riege der Gewerkschafter.

Kerns Kurs ist in seiner aktuellen Situation alternativlos. Doch was passiert, wenn er es nicht schafft?

Der Bürgermeister von Wien ist für den Simmeringer eine Job-Variante. Amtsinhaber Michael Häupl hat angekündigt, bald nach der Wahl sein Büro zu räumen.

Video: SPÖ veröffentlicht Kandidatenliste

 

Video: ZIB-Interview mit SPÖ-Chef Christian Kern

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Artikel Christoph Kotanko 04. August 2017 - 00:04 Uhr
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