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Das schönste Grün wird einmal Heu: Warum die Öko-Partei in Nöten ist

WIEN. Stimmung und Stimmen: Obwohl die Themenlage für sie günstig wäre, droht der Bundespartei nach den Rekordjahren eine Wahlschlappe. Die Misere ist selbst verschuldet – und bis 15. Oktober kaum zu beheben.

Das schönste Grün wird einmal Heu: Warum die Öko-Partei in Nöten ist

Grüne Parteispitzen Ulrike Lunacek, Ingrid Felipe (rechts): Unfreiwillige Zaungäste des Wahlkampfs Bild: APA

Auf dem Grün ist es erholsam, denn "beim Golf darfst du an nix denken, sonst geht’s nicht".

Sagt Eva Glawischnig, Neo-Golferin und Polit-Aussteigerin.

Von 2008 bis 2017 war sie grüne Bundessprecherin und Klubobfrau. Am 18. Mai trat sie entnervt von allen Ämtern zurück. Und hinterließ eine kopflose Partei.

"Das schönste Grün wird einmal Heu", besagt ein Sprichwort. Die Grünen sind in Gefahr, nach vielen guten Jahren zu verdorren. Die jüngsten Umfragen sehen sie knapp über der Vier-Prozent-Hürde für den Parlamentseinzug. 2013 hatten sie noch 12,4 Prozent.

"Die Partei ist ein unfreiwilliger Zaungast des Wahlkampfs", meint der Innsbrucker Politologe Ferdinand Karlhofer. Weder die jetzige Parteichefin Ingrid Felipe noch Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek konnten bisher Akzente setzen.

In Tirol amtiert Felipe rechtschaffen als Landeshauptmann-Stellvertreterin, aber in der Bundespolitik fehlt ihr der Einblick. Zudem war der Wechsel desorganisiert: "Es war ein schwerer Fehler, den geordneten Übergang zu versäumen", sagt Karlhofer.

Die Grünen sind damit eine Partei ohne Führung. Auch ihrer Wahlwerberin Lunacek gelingt es nicht, die Aufmerksamkeit zu erkämpfen, obwohl die Themenlandschaft günstig wäre.

Aber mit dem Ruf nach der Kilometer-bezogenen Maut, Warnungen vor Hitzetoten und dem ewigen Nein zu Abfangjägern wird das Wahlziel – ein zweistelliges Ergebnis – nicht zu schaffen sein.

"Aufruf zur Selbstverteidigung"

Neue Antworten auf Fragen, die ihre Wähler wirklich verunsichern – etwa das Thema Zuwanderung –, haben die Grünen nicht. "Steril" nennt Karlhofer ihren Stil.

Der rätselhafte Plakatspruch "Sei ein Mann. Wähl’ eine Frau. Das ist Grün" hilft auch nicht weiter.

Wie man entschlossen Themen setzt, demonstriert Peter Pilz.

Der "Aufdecker" bekam im Juni in Linz beim Bundeskongress kein sicheres Mandat mehr. Das war der Auslöser für eine weitere Abspaltung nach den Jungen Grünen, die mit der KPÖ paktieren.

Pilz trat am 17. Juli aus dem Parlamentsklub aus. Nun drängt er mit einer eigenen Liste in den Nationalrat – für die Grünen der GAU.

"Heimat Österreich. Ein Aufruf zur Selbstverteidigung" heißt die Streitschrift, die er heute vorstellt. Er wendet sich gegen Rechtspopulisten und Islamisten und kämpft für "Gerechtigkeit, Sauberkeit, Sicherheit, Freiheit, Freiwilligkeit".

Pilz sagt im Gespräch mit den OÖNachrichten, er habe schon vor eineinhalb Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass es im Kernwählerbereich riesige Probleme gebe. Die damalige Parteiführung hab ihn "nicht verstanden".

Seiner Liste werden mehr Stimmen als der Partei vorhergesagt. "Die Grünen werden an die Wand gespielt", meint der Politologe Karlhofer. Pilz ziehe seine Linie durch – "darin ähnelt er Sebastian Kurz".

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Artikel 01. September 2017 - 00:04 Uhr
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