Um Gottes willen, was ist los mit „Linz“? Was ist denn das für eine Frage, ob Linz09 mit dem Schwerpunkt zur NS-Zeit übertreibt? Wollen Sie sich lieber blamieren und eine Untertreibung? Oder gar nur Mittelmaß?
Nein, es ist gut, wenn sich die Stadt so intensiv mit ihrer Geschichte befasst. Und es ist gut, wenn darüber gestritten wird, denn das schafft einen Gesprächsraum, der so wichtig ist für viele Menschen, die mit dieser furchtbaren NS-Geschichte in den eigenen Familien klarkommen müssen.
Die phantasierte Übertreibung ist positiv, auch wenn ich das, was in Linz passiert, nie so bezeichnen würde. Dass Linz neben Berlin, Nürnberg, München und Hamburg eine der „Führerstädte“ war, berechtigt zu einer intensiven Auseinandersetzung im Rahmen von Linz09. Dass es eine Ausstellung mit dem Titel „Kulturhauptstadt des Führers“ gab, die so viel an Diskussion ermöglichte, ist großartig.
Wie engstirnig doch manche denken. Alle, die sich mit der NS-Zeit in Linz befassen, wissen es zu schätzen, wie differenziert sich Historiker und Historikerinnen vor Ort damit befasst haben, darin sind Linz und Oberösterreich vorbildlich. Wenn einem die Präsentationen im Rahmen von Linz09 nicht gefallen, ist das noch lange kein Grund dafür, in einen unverständlichen und peinlichen Provinzialismus zu verfallen und zu behaupten, „Kräfte aus Wien, Graz, Berlin etc.“ seien herbeigeholt worden. Nein, sie haben sich mit Projekten beworben und wurden offensichtlich für gut befunden. Nebenbei: Es waren auch zahlreiche Historiker und Historikerinnen aus Linz mit den NS-Projekten von Linz09 befasst.
Es ist eine junge Generation von Historikern und Historikerinnen, die spannende Wege beschritt, mit diesem Thema umzugehen, und es ist positiv, dass sie ihre eigenen Ausdrucksformen dafür findet.
Von dem abschätzig verwendeten Begriff „Event“ konnte ich bei meinen Besuchen in Linz nichts bemerken, im Gegenteil, ich war beeindruckt von der tiefgehenden Auseinandersetzung mit der lokalen NS-Geschichte. Wie kann dem Schreiber ein derart frappanter Fehler passieren, indem er behauptet, das „Geschichte-Buch“ sei nicht von „Fachhistorikern“ herausgebracht worden? Als einer der Verantwortlichen der Historikerkommission sollte ihm der Herausgeber, Niko Wahl, bekannt sein, der immerhin einen sehr interessanten Bericht für die Kommission schrieb.
Warum hat „Linz“ – wer spricht eigentlich für diese Stadt? – Angst, mit der NS-Geschichte identifiziert zu werden? Es ist doch positiv, wenn die Menschen dieser Stadt sich offen, reflektierend und selbstbewusst mit dieser Geschichte befassen. Wo kommt die Phantasie her, dass der Eindruck entsteht, als wäre die Politik Erfüllungsgehilfe der NS-Zeit?
Dass es ein paar „braune Flecken“ wie die Löwen am Bahnhof gibt, sollte als Chance wahrgenommen werden, daran endlich etwas zu ändern und mit diesen sichtbaren Zeugnissen der NS-Zeit einen aktiven Umgang zu finden. Genau das hat Linz09 gemacht, indem man darauf hinwies.
Linz ist mit diesen „braunen Flecken“ leider überhaupt nicht einzigartig, aber die Sichtbarmachung fordert die Politik nun heraus, endlich zu reagieren. Es ist zu hoffen, dass dies passiert.
Ich war letzte Woche in New York und traf zahlreiche aus Österreich stammende NS-Überlebende. Für diese sind Projekte wie „IN SITU“ mit den auf den Boden aufgesprühten Verweisen, was an den konkreten Orten im Nationalsozialismus geschah, wichtige Botschaften aus ihrer ehemaligen Heimat. Die Überlebenden, die ich traf, haben darüber miteinander gesprochen. Für sie sind dies Zeichen dafür, dass ihr Schicksal und das ihrer ermordeten Familien und ihrer ermordeten Freunde und Freundinnen nicht vergessen wird. Das ist wohltuend für sie, und es wird von ihnen sehr positiv anerkannt.
Wie kleinlich ist dagegen die Frage, ob Linz09 in der Befassung mit dem Nationalsozialismus übertreibt. Diese Frage wird uns keinen Schritt weiterbringen. „Linz“ sollte und kann stolz sein und sich lieber auf die von den jungen Historikern und Historikerinnen aufgeworfenen Fragen an die Geschichte einlassen.
*Albert Lichtblau ist ao. Professor im Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg und stellvertretender Leiter des Zentrums für jüdische Kulturgeschichte der Universität SalzburgLöwen werden als "braune Flecken" bezeichnet, auch du lieber Himmel, ich verstehe nicht, wieso sich Linz noch nicht der A1 entledigt hat, weg mit der A1, sie ist genauso ein Überbleibsel der NS Zeit wie die Löwen, anscheinend braucht man immer noch einen Sündenbock, der für all das herhalten muß.
Nibelungenbrücke? Weg damit, die Linzer sollen mit Schiffen nach Urfahr fahren, und mit Pferdekutschen nach Wien reisen, anstatt der A1.
Es reicht, diese Depperei gewisser Leute ist kaum mehr zu ertragen!
Ihr Beitrag lässt da Zweifel aufkommen. Da finden sich großflächige NS Parolen an Wänden. Teils liefert das den Eindruck von Zynismus, dann aber auch wieder von naivem Umgang mit Propaganda. Wie NS Propaganda wirkt - und sie wirkt durch diese Ausstellung - haben die Ausstellungsmacher nicht ganz begriffen.
Ein wichtiges Thema wurde undifferenziert und als Ausstellung billig und platt präsentiert.
Den Titel "Kulturhauptstadt des Führers" im Kulturhauptstadtjahr zu wählen zeugt von mangelndem PR Bewusstsein und grandioser Naivität. Reißerisch und dumm; anders kann man das nicht nennen.
Und wegen eines wichtigen Themas sollte man sich auch nicht scheuen, die Dinge beim Namen zu nennen. Kritik an der Ausstellung heißt ja nicht, dass man das Thema nicht für wichtig hält. Vielmehr wurde hier ein wichtiges Thema unangemessen plakatiert.
Frontalzusammenstoß - drei Schwerverletzte
General Motors unter Druck: Aus für Bochum?
Englischer Teamchef nach Streit zurückgetreten
Erste Details zu Griechenland-Sparpaket