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Flascherlpost: Die Generation der iBabys

Die Kleinen haben in puncto Handy-Technik die Nase vorn.

Was haben wir gelacht: K. wollte sich im Geschäft ihr neues Handy erklären lassen. Als sie dabei fragend die Augenbrauen hob, empfahl ihr die Verkäuferin, sich doch von ihrem Enkerl in die Details der Technik einweihen zu lassen. Bloß ist K. keine greise Senioren-Handy-Kundin, sondern eine flotte 50-Jährige. „Nicht nur, dass ich noch gar keine Enkerl habe – wie alt müssten die erst sein, dass sie mir etwas erklären könnten“, ereiferte sich K. und suchte für die Verkäuferin das passende Blutwurst-Synonym. Absurd, also wirklich, denkt man sich, bevor sich der Blick auf die Umgebung schärft. Wenn U. herzeigen will, wie ihre Tochter robben kann, platziert sie einfach ihr Handy in Sicht-, aber außer Reichweite. Dann kann sie sich sicher sein, dass die Kleine sofort startet, so ein Handy übt eine unglaubliche Faszination aus. Max ist mit seinen neun Monaten schon weiter. Er beherrscht nicht nur das iPhone, sondern auch das iPad – sobald er eines der beiden in seine kleinen dicken Finger bekommt, wischt und wischt er, was das Zeug hält. Warum das beim Fernseher nicht funktioniert, kann ihm keiner erklären, dementsprechend ärgerlich findet er das.

Und auch die kleine Lena offenbart sich als Kind des Smartphone-Alters. Wenn sie spielt, dass sie ihre Oma anruft, dann denkt sie nicht an Wählscheibe oder Tastentelefon, warum auch, dann wird drübergewischt und losgeplappert.

Dass ihre Eltern ganz ohne SMS aufgewachsen sind und früher ihre Freunde nachmittagelang nicht erreichen konnten, weil sie von einem Festnetz-Telefon abhängig waren, wird für den Smartphone-geeichten Nachwuchs wahrscheinlich genauso fern klingen wie für unsereiner die Schilderungen des kilometerlangen Schulwegs, den die Großeltern bei Wind und Wetter zurücklegen mussten, ohne Schuhe.

Vielleicht hatte die Verkäuferin gar nicht so unrecht. Wahrscheinlich haben die Kleinen in puncto Handy-Technik schnell die Nase vorn. Und wenn ihnen keine Blutwurst-Synonyme einfallen, googeln sie einfach.

j.evers@nachrichten.at

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Artikel Julia Evers 24. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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