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Flascherlpost: Kleine Rübe trifft Karotten

Zur Feier des Fünf-Monats-Tags öffnen wir ein Gläschen.

Wann ist ein Baby reif für Beikost? Die Empfehlungen diesbezüglich lassen Interpretationsspielraum. „Wenn es Sie interessiert beim Essen beobachtet.“ Wenn das ein glaubhaftes Kriterium wäre, dann hätte mein Baby auch seine Bereitschaft, selbst zu duschen, Auto zu fahren und die Waschmaschine einzuräumen, bereits mehrfach ausgedrückt. „Wenn es den Mund öffnet, sobald sich der Löffel nähert.“ Test bestanden, zur Feier des Fünf-Monats-Tags öffnen wir zwar kein Fläschchen, aber immerhin ein Gläschen. Inhalt: reine Frühkarotte.

Karotten sind gut für die Augen. Das ist dem besten Baby offensichtlich bekannt. Und weil mein Sohn ein zielgerichtetes Kerlchen ist, findet er den Umweg über Mund und Magen wohl zu weit. Er drückt lieber seine Bereitschaft, Beikost zu sich zu nehmen, noch einmal deutlich aus, fasst in den Löffel und schmiert sich die reine Frühkarotte blitzschnell in die Augen. Und über die Nase. Und in die Haare. Und auf den Body. Während die Mutter noch beschäftigt ist, zwischen Fütterungsutensilien und Fotoausrüstung hin und her zu wechseln – derart einschneidende Erlebnisse auf dem Weg zum Erwachsenwerden wollen für die Nachwelt konserviert werden –, dekoriert sich der Neo-Esser von Kopf bis Fuß in kräftigem Orange.

Spät anfangen und möglichst langsam und behutsam Lebensmittel nach Lebensmittel auf dem kindlichen Speiseplan zu etablieren, war gestern. Die neu überarbeiteten Beikostempfehlungen sehen in diesem Vorgehen keine Minderung des Allergierisikos mehr. Stattdessen darf jetzt frisch und fröhlich nach Karotte Kürbis gefüttert werden, auf Gartengemüse-Allerlei folgen Spaghetti Bolognese. Von solch verwegenen Fütterungen sind mein Sohn und ich freilich noch meilenweit entfernt. Noch verteilt der kleine Mann das Essen zu gerechten Teilen auf seiner Kleidung und der seiner Mutter, ein paar Spenden an den Wohnzimmerboden sind auch immer drin.

Fazit: Reine Frühkarotte steht uns gut. Wie sie schmeckt, werden wir wohl auch noch herausfinden.

j.evers@nachrichten.at

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Artikel Julia Evers 03. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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