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Ungeschminkt: Welcome in der Einkaufshölle!

Traditionellerweise gehen gute Mütter mit ihren von so viel Ferien tiefenentspannten Kindern vor Schulbeginn auf Einkaufstour. Hab’ ich heuer wieder getan. Doch diesmal war’s anders als jemals zuvor.

Wir besuchten nämlich jenen angesagten Laden, „bei dem jetzt alle einkaufen. Bitte mindestens ein Leiberl, liebe, liebe Mamschi!“ schleimte sich der Nachwuchs ins Mutterherz und ich ließ mich wieder einmal weichklopfen und stand kurze Zeit später vor jenem Shop, der derzeit bei Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 18 extrem angesagt ist. „Welcome!“ rief uns ein muskelbepackter Prachtkerl zu. Und schon befanden wir uns mitten in der Einkaufshölle. Sehr dunkel, sehr laut, sehr duftend. Der Feschak vom Eingang kam auf uns zu und sagte irgendetwas. „Wie bitte?!“ schrie ich zurück, weil ich ihn aufgrund der lauten Musik nicht verstehen konnte. „Welcome to the pier!“ wiederholte der ansehnliche Verkäufer und lächelte breit.

Ich muss gestehen, dass ich nicht wusste, dass „pier“ übersetzt irgendetwas mit Hafen zu tun hat. Zu meiner Entschuldigung darf ich anmerken, dass in besagtem Geschäftslokal weit und breit kein Wasser in Sicht war. Nur jenes in kleinen Flacons, das ein junges, ebenfalls sehr attraktives Mädchen ununterbrochen versprühte. „Welcome!“, schrie auch sie: „How can I help you?“ Ich war schwer verwirrt, die Kinder schwer enthusiastisch. Mit leuchtenden Augen schwebten die beiden durch den Shop, der eine 100-prozentige Sehkraft verlangt, da es sehr, sehr finster ist. Die Spots sind lediglich auf T-Shirts, Pullis und Jogginghosen gerichtet, die einen großen Schriftzug tragen. „Bitte frag’ sie, ob es das T-Shirt auch in Medium gibt“, befahl mir der Sohn plötzlich mit lauter Stimme.

„Das machst du am besten selbst. Das ist die ideale Möglichkeit, um dein Englisch aufzufrischen“, sagte ich, überließ ihnen das Geld für zwei T-Shirts und vertschüsste mich ins nächste Kaffeehaus. Der Feschak vom Eingang rief mir noch etwas hinterher. Ich hab’ ihn nicht verstanden – gehöre definitiv nicht zur Zielgruppe.
 

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Artikel Barbara Rohrhofer 10. September 2012 - 00:04 Uhr
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