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Eismarillenknödel

Kurt Tichy eröffnete 1952 in Wien einen Eissalon. Er wurde berühmt, weil es Jahr für Jahr neue Kreationen gab. 1967 erfand Tichy den „Eismarillenknödel“. Er wurde für patentwürdig befunden.

Ich finde Eismarillenknödel vom Tichy köstlich: feine Vanilleoberscreme mit Marillenkern, gewälzt in geriebenen, gerösteten und leicht karamellisierten Haselnüssen. Mhhh!!! Sie haben kürzlich oder vor längerer Zeit solche Knödel gekauft, fanden den Geschmack mäßig bis gar nicht gut und zweifeln nun an meiner Gourmetkompetenz? In diesem Fall ist der Zweifel unberechtigt. Ich bin sicher, dass Sie keine Eismarillenknödel gekauft haben. Sondern: Marilleneisknödel. Oder Eis Marillen Knödel. Oder Marillen Eis Knödel. Oder Eisknödel Marille.

All das sind nachgemachte Produkte, Epigonen, Trittbrettfahrer, die mit dem Original wenig zu tun haben. Weil das Patent gilt nur fürs Wort „Eismarillenknödel“ und fürs Herstellungsverfahren, beides kann man leicht abwandeln, und dann gilt das Patent nicht mehr. Zum Beispiel Marillen Eis Knödel der Salzburg Patisserie, die gibt’s in einigen Supermärkten. Sie bestehen aus Milcheis und einem Kern in sehr dunklem Orange, der nach nix schmeckt.

Im Internet fand ich eine Streiterei über die eisigen Knödel. Ein Poster, der irgendeinen Epigonen verteidigte, weil sie billiger ist, bekam als Antwort: „Eismarillenknödel gibt es nur vom Tichy. Marilleneisknödel gibt‘s in jedem Tante-Emma-Laden. Dass Du die beiden verwechselst, zeigt, dass Du keinerlei Ahnung von Speiseeis hast. Du bist mit ,Magnum Marille’ oder so besser dran – ist ja viel bunter und größer.“

Ich könnt’s nicht besser schreiben.

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Artikel 22. Mai 2009 - 00:04 Uhr
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