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Hochmut nach dem Fall

Einen kleinen Nachschlag muss ich diese Woche noch loswerden. Als Nikolaus Pelinka, bis zu seinem Abgang von vielen auch amikal Niki gerufen, vorige Woche seine Bewerbung zurückgezogen hat, schrieb er dazu einen Brief. Er wolle nun nicht mehr Büroleiter des ORF-Generalintendanten werden. Einerseits um Schaden von sich und dem Unternehmen abzuwenden, andererseits, um dem „unwürdigen Theater“ ein Ende zu machen.

Da schwang eine gehörige Prise Kränkung mit und eine womöglich noch größere Portion Hochmut. Es waren immerhin mehr als 1000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewesen, die gegen seine Bestellung namentlich Stellung bezogen hatten. Sie hatten es nicht zuerst wegen seiner Person getan, sondern sahen durch den dahinterliegenden politischen Deal ihre journalistische Unabhängigkeit gefährdet. Das mag man als richtig einschätzen oder nicht. Es als „unwürdiges Theater“ zu bezeichnen, zeigt von wenig Einfühlungsvermögen, vielleicht auch von argumentativer Imitation der Altvorderen, ganz sicher aber von einer noch reifungsbedürftigen Persönlichkeit.

Das ist nicht polemisch gemeint. Nikolaus Pelinka ist erst 25. Selbst wenn man in dem Alter früher schon Kaiser wurde, hat ihn wahrscheinlich bisher wenig darauf vorbereitet, ins Kreuzfeuer zu geraten. Zu erleben, wie sich Person und Funktion, Partei und Privates vermischen und durch die Maschinerie der öffentlichen Meinungsbildung gedreht werden, hat schon abgebrühteren Kämpfern alles abgefordert.

Arroganz, geschmeidiger als Hochmut bezeichnet, steht für eine Haltung, die den eigenen Wert oder Rang höher veranschlagt als den des Gegenübers. Man distanziert sich, blickt den anderen abschätzig an und dreht sich weg: Der ist mir zu blöd, mit dem rede ich gar nicht. Arroganz kann imponieren, beliebt macht sie selten. Der Hochmütige wirkt stark. Womöglich erheischt man im Moment der Gegenwehr aber auch einen Blick auf die gar nicht so starke Persönlichkeit dahinter. Als ob kurz ein Theatervorhang weggezogen würde.

Das Kapitel Büroleiter im ORF ist für den jungen Pelinka sicher keine angenehme Erfahrung. Es könnte ihm aber eine Lehre sein. Die Partei gibt, die Partei nimmt. Mit 25 ist er eine Nachwuchshoffnung, vielleicht auch ein besonders gelehriger Schüler der Altmeister des Machterhalts. Aber er ist ersetzbar. Statt den Protest der Redakteure als „unwürdiges Theater“ zu bezeichnen, könnte er einen nüchternen Blick auf die Lage werfen. Auch den die Partei erwählt, der kann ohne Gunst des Volkes nichts erreichen.

Für Nikolaus Pelinka hege ich aber auch eine Art von mütterlichem Mitgefühl – wiewohl er darauf keinen Wert legen wird. Ich frage mich: Wann war dieser Mensch jung? Wann hat er gegen die Alten und die Etablierten aufbegehrt, sie kritisiert und völlig lächerlich gefunden? Wo hat er sich mit jungen Utopisten die Köpfe heiß geredet? An wem hat er sich gerieben, um selbst stark zu werden?

 

Vielleicht liegt für den Menschen Pelinka in der vermeintlichen Niederlage mehr Chance als in einer Karriere als Büroleiter. Dann wäre die Sache gut ausgegangen. Für den ORF und für ihn.

Dr. Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau.

Christine.haiden@welt-der-frau.at

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Guter Artikel von Fr.Dr.Haiden- · von Ameise (9066) · 29.01.2012 21:45 Uhr

Tiefsinnig,mit viel Gefühl und Sachverstand geschrieben...

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@eulenauge: Du vermischst hier ziemlich · von haspe1 (4954) · 29.01.2012 21:31 Uhr

penetrant Äpfel mit Birnen. Ich habe es andernorts schon einfach erklärt:

Der ORF SOLLTE politisch unabhängig sein, somit ist es eine Schande, wenn der Leiter des SPÖ-Freundeskreises ins Wrabetz-Büro als Leiter/Befehlsübergeber einzieht. Die Unabhängigkeit wird damit mit Füssen getreten. Klar? Ebenfalls eine Schande ist die Installierung verschiedener schwarzer und blauer Freundeskreis-Freunderl in leitenden Positionen, die ebenfall vorgenommen wurde.

Dein Vergleich ist nur zuläßig für das Landesstudio O.Ö. Auch dort haben Partei-abhängige gar nichts zu suchen. Dass es dort sicher genug schwarze Niko Pelinkas gibt, was ebenso inakzeptabel ist, habe ich auch schon gepostet. Auch das sollte recherchiert und abgestellt werden.

Bei den Büroleitern von privaten Wirtschaftsunternehmen, Landeseinrichtungen und Banken ist der Fall ganz anders. Diese werden entweder nicht öffentlich finanziert oder brauchen keine "journalistische Unabhängigkeit" zu wahren. Klar?

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haspe1 · von Ameise (9066) · 29.01.2012 21:48 Uhr

Geht mich nichts an-ist ihre Sache-ja.
Aber mit eulenauge eine vernünftige Diskussion zu führen-ist nahezu unmöglich.Auf dem linken Auge ist er noch blinder als Pilatus-und dies soll was heissen...

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Artikel 26. Januar 2012 - 00:04 Uhr
Christine Haiden
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