Der markanteste Turm in meiner Wohngemeinde ist der Lagerhaus-Siloturm. Er übertrifft den zurückhaltenden Kirchenturm in Höhe und Breite. Wir leben damit, auch wenn sich manche aus optischen Gründen eine Bereinigung der Turmlandschaft wünschten.
In meiner Arbeits-Landeshauptstadt wimmelt es nur so von Türmen. Einen Gutteil schmückt oben ein Kreuz, sei es eines mit Querbalken oder eines in Giebelform. Dazu kommen Türme aus Glas und solche, deren Insassen dank Niedrigenergiekonzept kein Fenster öffnen können. Wer was auf sich hält, baut einen Turm, von Babylon bis Dubai. Möglichst einen, der andere an Himmelsstreben und Imponierfassaden übertrifft.
Längst hat die katholische Kirche ihr Vorrecht verloren, das Maß für Turmhöhen zu setzen und dabei nicht übertroffen zu werden. Verstehe es, wer kann, nun streitet man darüber, ob die Gläubigen der islamischen Religion in Österreich Gotteshäuser mit Türmen überhaupt und wenn ja, wo und in welcher Höhe bauen dürfen. Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob wir wirklich im 21. Jahrhundert leben. Im Mittelalter suchten sich im toskanischen San Gimignano die Familien mit der Höhe ihrer Geschlechtertürme zu übertreffen. Ein ruinöser Wettbewerb, finanziell, und mit blutigen Fehden bezahlt.
Bis herauf ins 20. Jahrhundert mussten sich die lutherisch reformierten Christen ihre Kirchtürme mühsam erkämpfen. Ich frage mich, worin liegt die Logik, dass man weltliche Häuser jeder Art, mit Türmen und ohne, und an solche erinnernde Hochhäuser bauen darf, aber, um Gottes Willen, keinen Turm bei einer Moschee? Setzte ich mich nicht dem Vorwurf aus, eine fehlgeleitete Feministin zu sein, würde ich vermuten, dass eine Assoziation von Turm mit männlicher Potenz im Busche ist. Nicht zuletzt, weil die Parteien, die von Männern mit testosterondurchwirktem Selbstverständnis dominiert sind, am lautesten gegen die Minarett-Ambitionen wettern.
Nüchtern betrachtet könnte man doch fragen, was macht den Unterschied, wenn zum Lagerhausturm, zum Bankenturm, zum Energieturm und zum Wohnturm noch ein „Glaubens“turm dazukommt? Sind die evangelischen Christen radikaler geworden, als sie endlich ihre Kirchtürme hatten? Waren die Türme der Katholiken je ein Indiz, ob ihre Erhalter gerade Kreuzzüge führten oder dank Kirchenreformen sogar Mädchen ministrieren ließen? Wenn das Recht, einen Turm zu errichten, nur an die „Guten“ vergeben wird, legt dann das Fehlen von Türmen bei Häusern nahe, dass die darin Wohnenden oder Lehrenden mit Vorsicht zu genießen sind?
Man kann und muss über das Selbstverständnis der in Österreich lebenden Moslems diskutieren. Was sie von der Trennung von Staat und Religion halten oder wie sie mit ihren Frauen umgehen. Wer ihnen bloß die Türme verbieten will, beweist wider Willen, dass er das, was er als Errungenschaft christlich-abendländischer Kultur ausgibt, selbst nicht beherzigt. Denn dazu gehören auch die nüchterne Weltsicht der Aufklärung, das Ende des Staatskirchentums, und eine respektvoll geführte Debatte. Einfältiges Dominanzgebaren war schon immer an der Grenze zur Lächerlichkeit. Umso mehr in diesem Fall.
Dr. Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau
christine.haiden@welt-der-frau.at
Es ist nachgewiesen, dass ein hoher Prozentsatz der Mitglieder moslemischer Gemeinschaften mit Demokratie und dem europäischen Rechtsverständnis nichts am Hut hat. Dies ist nicht verwunderlich, da laut Koran ganz andere Werte abverlangt und praktiziert werden. Daher ist mir dieses Thema für Österreich und die EU nicht egal. Ich erlaube mir auf diesen geschilderten Sachverhalt hinzuweisen, auch wenn ich dadurch als fremdenfeindlich oder rassistisch gelte, da ich weiß aus welcher Ecke und Geisteshaltung diese Vorwürfe kommen.
Ich trete für Religionsfreiheit ein, auch für die entsprechenden Symbole. Das gilt auch für den Islam. Jedoch ist der Islam nicht nur Religion, sondern in seiner Ausrichtung auch eine politische Organisation. Der Koran fordert dazu auf, verlangt es und nimmt seine Anhänger in die Pflicht. Gegen diesen politischen Aspekt setze ich mich zur Wehr, mit dem gleichen Recht, wie politische Parteien miteinander diskutieren, arbeiten, sich distanzieren oder ausgrenzen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Schweizer Volksentscheid und eine Diskussion in Österreich über Minarette zu sehen. Das Minarett ist laut Koran eindeutig ein Ausdruck des politischen Islam und mit einem Kirchturm nicht zu vergleichen.
Sehr geehrte Frau Haiden,
Ihre Ausführungen über die Verschiedenartigkeit der Türme in der österreichischen Landschaft sind in Hinblick auf Minarette höchst oberflächlich. Aus ihrem politisch korrekten, säkularen Blickwinkel nivellieren sie alles gleich und beschränken sich auf die bauliche und pragmatische Substanz dieser Bauwerke.
Wenn Ihnen dieses Thema wirklich ein Anliegen ist, so sollten Sie ein wenig in die Tiefe gehen und sich nicht an der Oberfläche über Menschen lustig machen, die über Minarette Bedenken äußern. Anders ist ihr Vergleich mit Lagerhaussilos nicht zu verstehen.
Festgestellt sei, dass Herr Schakfeh mit seinem Verein ca. 300 Moslems vertritt. Wahrscheinlich sind seine regelmäßigen Auftritte im ORF durch sein SPÖ-Engagement möglich. Anders ist sein öffentlich wirksamer Zugang zu diesem Medium nicht erklärbar. Andere Moslemvertreter vertreten zum Teil sehr konträre Standpunkte.
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