23. Februar 2016 - 00:04 Uhr · · Fischer-Kolumne

Zahlt sich Fliegenbinden aus? Ein Wegweiser in die Sucht

Petri Heil!

Andreas bindet einen Streamer. (but) Bild:

Winter ist’s. In den Hobbyräumen beugen sich überwiegend Männer in den besten Jahren über Faden, Federn und Glitzerkram, um die Fliegen für die kommende Saison zu binden. Lohnt sich das denn?

Zwecks Antwort saß ich beim Fishing Festival in Wels (war super!) mit dem Laakirchner Fliegenfischer und -binder Andreas Scheibenpflug zusammen. Der erst 23-Jährige zeigte dort seine Kunst, welche eine hohe ist. Mit fünf Jahren begann er zu fischen, mit zehn wechselte er zur Fliegenrute, mit zwölf begann er, seine Fliegen selbst zu binden. Was macht den Reiz aus, will ich wissen: "Ob ein Fliegenfischer selbst bindet oder nicht, ist eine reine Persönlichkeitsgeschichte", relativiert Scheibenpflug erst einmal. "Aber wenn ich zum Beispiel in einem neuen Revier bin und beobachte, wie die Insekten dort aussehen, und dann binde ich mir ein paar Muster und fange mit den eigenen Fliegen – dann ist das ein Riesenlohn für die Mühe."

Vielleicht drei Minuten sitzt Scheibenpflug vor dem Bindestock, wenn er eine Nymphe macht, an aufwändigen Streamern arbeitet er eine Stunde. "Ich war am 24. Dezember fischen", erzählt er. "Am Vorabend habe ich mir ein paar Nymphen gebunden und sensationell damit gefangen. Das macht Freude. Geld spart man sich dabei aber nicht." In der Traun war das, im Revier der "Freunde der Gmundner Traun", wo Scheibenpflug auch als Kassierstellvertreter werkt. Sein Vater Ernst ist der Kassier und war einer der Mentoren des jungen Hobbybinders. "Früher bin ich oft schon um fünf Uhr früh auf Papas Bettkante gesessen und habe gebettelt, dass er mit mir fischen geht; und das bitte bis neun am Abend", erinnert er sich schmunzelnd.

Sein Traum sei es, in Kanada oder Neuseeland zu fischen, "aber das kann man sich fast nicht mehr leisten", meint der Zolldeklarant. Also bleibt er in Europa und fischt etwa in Polen – echte Geheimtipps. Mit dabei: eh klar, der Bindestock. Solche gebe es gebraucht – inklusive ein paar Grundmaterialien – schon um rund 100 Euro, sagt er.

Hm. Ist nicht im Hobbyraum eh noch ein bisserl ein Platz ...?

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Zahlt-sich-Fliegenbinden-aus-Ein-Wegweiser-in-die-Sucht;art173810,2156814
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