20. September 2016 - 15:23 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Wie ich dann doch noch mit Roman Moser zum Fischen kam

Stammleser erinnern sich: Meine vorletzte Verabredung mit Fliegenfischerlegende Roman Moser aus Gmunden fiel quasi ins Trockene.

Der charismatische Bewirtschafter der Ager-Fliegenstrecke erzählte so packend, dass wir nicht zum Werfen kamen. Das holten wir kürzlich nach.

Herr Moser, der schon in Kindertagen Kunstfliegen aus Bartwischhaaren gebunden hatte, nahm nicht einmal eine Rute mit, in der zutreffenden Ahnung, dass er viel damit zu tun habe würde, mir die Wurffehler auszutreiben und über mein generelles Patschert-Sein die Augen zu rollen. Über Details des Abends möchte ich die Decke der Diskretheit breiten, nur so viel: Trotz einiger verbockter Anhiebe, konnte ich eine 50er-Regenbogenforelle haken, drillen und vorschriftsmäßig releasen.

Als nachhaltig beeindruckend aber verfing sich ein Sinneseindruck, der mich sehr nachdenklich machte. Es waren fast keine Insekten zum sogenannten Abendsprung über dem Wasser zu sehen. Nur ein paar kleine Mücken tanzten. „Wir haben nur noch 20 Prozent der Wasserinsekten früherer Jahre“ sagte Moser. „Pestizide in der Landwirtschaft und Reinigungsmittel im Abwasser sind die Hauptverursacher für den Rückgang.“

Zudem sei der Futterkreislauf unterbrochen. „Das beginnt bei den Blättern, die nirgendwo mehr liegen bleiben, weil sie die starke Strömung fortträgt. Pilze finden keine Biomassen, Bakterien nicht und damit auch nicht Insekten, die den Fischen als Nahrung dienen“ analysierte der 68-Jährige und meinte teilresignierend: „Eine Ökologie wie vor 200 Jahren kriegen wir nicht mehr.“

Tatsächlich berichten Biodiversitätsforscher von einem Rückgang der Insekten in unseren Breiten von bis zu 80 Prozent. Bei den Bienen fällt das auf, bei den vielen anderen Arten nicht, obwohl sie einen enormen Beitrag leisten zur biologischen Vielfalt und Gesundheit unseres Planeten.

Und der Mensch?

Der freut sich, dass die Windschutzscheibe seines Autos heute weniger verdreckt als früher.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Wie-ich-dann-doch-noch-mit-Roman-Moser-zum-Fischen-kam;art173810,2371607
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