14. Juni 2016 - 00:04 Uhr · · Fischer-Kolumne

Wie einen ausgerechnet Roman Moser vom Fischen abhält

Petri Heil!

Grober Eingriff – feine Wirkung (SAB) Bild:

Der Plan war folgender: Schau ich mir die Ager an, weil an dem Flüsschen vorbildlich renaturiert wurde.

Zuständig dort, weil Bewirtschafter für den Sportanglerbund Vöcklabruck, ist Roman Moser; die Fliegenfischerlegende. Lass ich mir von ihm das Rivermanagement erklären und dann werfen wir die Fliegen. Weltplan.

Wir trafen uns auf der Agerbrücke in Preising, schauten Forellen, setzten uns im Gasthaus Weissl auf einen Kaffee zusammen und redeten. Über Flussbegradigung, Wasserverschmutzung der Papierfabriken, Kraftwerke, Gewässererwärmung und Bodenverdichtung. "Die Eingriffe des Menschen in die Gewässer waren allesamt schlecht", sagt Moser. Und doch schafften es er und seine Mitstreiter, auf einer Flussstrecke von gut einem Kilometer der Natur ein großes Stück zurückzugeben.

Zauberwort Restrukturierung: Mittels Felsen und Baggerschaufel ließ man in der Ager Buhnen anlegen, setzte Strömungsbrecher, band Sandbänke wieder an den Fluss an, schuf Rückzugsgebiete bei Hochwasser, kurz, man "baute Wohnungen für die Fische", wie Moser sagt.

Nun könnte er mit seiner international bekannten Fliegenstrecke zufrieden sein. Ist er aber nicht. Moser weiß, dass ein Flusssystem nur dann funktionieren kann, wenn die Nahrungskette stimmt. Von den Blättern und dem Totholz im Wasser über Pilze, Bakterien und Insekten, die dann von den Fischen gefressen werden. Aber: "Wir haben nur noch 20 Prozent der Insekten früherer Jahre." Monokulturen und Pestizide in Land- und Gartenwirtschaft, Reststoffe aus Kläranlagen – all das wirkt sich aus. Insofern bleibe die Renaturierung eines Flussbettes dann "doch nur Kosmetik", wie Moser leicht resignativ meint, um sich gleich wieder in Feuer zu reden. "Eine Ökologie wie vor 200 Jahren werden wir nicht mehr hinkriegen, aber man muss Geld in die Hand nehmen, Ufergrundstücke kaufen, Flüsse aufreißen, Habitate schaffen; alles andere kommt dann von alleine."

Plan gescheitert: Moser erzählt so packend, dass ich aufs Fischen vergesse (Fortsetzung folgt).

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Wie-einen-ausgerechnet-Roman-Moser-vom-Fischen-abhaelt;art173810,2259280
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