15. September 2015 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Vielen Dank an die Ungefangene

Petri Heil!

Das muss auch einmal gesagt werden: Den Salmoniden sei Dank. (but) Bild:

Von Zeit zu Zeit sollte man bewusst Danke sagen.

Das möchte ich heute tun, anlässlich des morgigen Endes der Fangsaison für Bach- und Seeforellen, Bach- und Seesaiblinge – jene in unseren Gewässern angestammten Salmoniden, die als die wert- und geschmackvollsten Fische gelten.

Danken soll man vor allem jenen, die sich in den Revieren um eine naturnahe Aufzucht kümmern, die mühevoll Eier mit standortgerechter Genetik in Laichhabitate setzen und so für Nachwuchs sorgen, der auf natürlichem Wege nicht mehr möglich ist. Man weiß hinlänglich warum: die harte Flussverbauung.

Vielleicht klingt das Folgende ein bisserl kitschig. Aber ich möchte mich auch bei einem Fisch bedanken, ich nenne ihn meinen Fastgefangenen. Wir gerieten im Juli in der Steyr bei Klaus aneinander, ein paar Meter oberhalb der Frauensteiner Brücke. Quer über den dort wunderschönen und durchaus reißenden Fluss befindet sich ein schattiges, ruhiges Kehrwasser, ein schöner, aber kleiner Gumpen. Wäre ich eine Forelle, dort würde ich mich faul ins Bachbett legen und darauf warten, dass das Wasser Futter serviert. Lange spielte ich mich damit, eine fast unsichtbare, hellbraune Trockenfliege über die Strömung hinweg in den fast stillstehenden Quadratmeter Wasser zu platzieren, sodass sie nicht sofort wieder von der Hauptschnur herausgezogen wird, dass sie zwei, drei Sekunden ruhig liegen würde, dass sie den Vorteil des ultradünnen 0,12-mm Vorfachs ausspielen könnten. Und dann, nach einer Viertelstunde sah ich die verräterische Welle, schlug an und spürte sofort, dass ich keinen kleiner Fisch am Schonhaken hatte. Beim Drill quer durch die Strömung hoffte ich auf die Güte des Schnurmaterials und bugsierte die herrlich gefärbte Bachforelle mit ihren gut 45 Zentimetern schließlich ins flache Wasser. Euphorisiert griff ich nach ihr, hatte sie schon leicht um den Bauch gefasst, als sie in einer blitzschnellen Kopfbewegung den Haken ausspuckte und entkam.

Die Enttäuschung war enorm. Ich riss mir den Strohhut vom Kopf und wollte schon wütend draufspringen, da durchströmte mich ein Gefühl der Dankbarkeit: Ich hatte eine diffizile Wurfaufgabe gelöst und war mit einem feinen Drill belohnt worden. So saß ich im warmen Kies, veratmete das Restadrenalin und wünschte meiner Fastgefangenen gute Erholung. Dann packte ich zusammen. Es war ein schöner Tag.

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Vielen-Dank-an-die-Ungefangene;art173810,1971057
© OÖNachrichten / Wimmer Medien · Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
Bitte Javascript aktivieren!