21. Juli 2015 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Unternehmen Aalrutte: Wird sie des Signalkrebses Herr?

Petri Heil!

Jungfeuerwehrmänner Philipp (o.) und Julian halfen beim Besetzen. Bild:

Schöne Zusammenarbeit: Die Feuerwehr in Thalheim bei Wels hilft den Leuten von den Fischereirevieren Untere Traun und Aiterbach beim Besatz von Aalrutten.

"Aalrutten?!", werden jetzt vielleicht ein paar alte Fischer vorwurfsvoll sagen, "das sind doch diese Bruträuber!"

Tatsächlich war der Ruf der Aalrutte, auch Quappe genannt, angeschlagen. Heute ist das anders. Der Fisch, übrigens der einzige Dorschartige in unseren Gewässern, gehört zur Vielfalt im Ökosystem einfach dazu. In der unteren Traun war er immer daheim. "Kein Fisch ist unser Feind", sagt Revierobmann Werner Forstinger, "wir müssen uns auf jede Fischart schauen."

Also beladen wir das Arbeitsboot der Freiwilligen Feuerwehr Thalheim mit Helfern und vier Kübeln, in denen 2000 rund sechs Zentimeter lange Aalrutten schwimmen. Der Besatz kommt vom Fischzuchtbetrieb Kreuzstein des Bundesamts für Wasserwirtschaft am Mondsee. In den Ritzen des harten Blocksteinwurfs am Traunufer finden die Höhlen bevorzugenden Fische gute Lebensräume. Hier werden sie sich noch ein wenig von Plankton ernähren, bis sie groß genug sind für ihren Einsatz: Sie sollen des Signalkrebses Herr werden, der sich so sehr vermehrt hat, dass er das Ökosystem schädigt. Krebs und Aalrutte sind beide nachtaktiv. Die räuberische Aalrutte und die Jungkrebse werden sich zwangsläufig begegnen, und dann ...

Generell ist die Aalrutte (Lota lota) ein interessanter Fisch mit schöner Tigerzeichnung. Ein großes Weibchen mit gut einem Meter Länge kann mehr als eine Million halbmillimetergroßer Eier produzieren. Das macht die Aufzucht schwierig, sie muss mit eigens gefiltertem, winzig kleinem Plankton erfolgen, sonst frisst das tierische Plankton die Eier statt umgekehrt.

Von den 2000 gesetzten Jungfischen werden in etwa fünf Prozent überleben. Fischkonkurrenz und Gänsesäger werden den Besatz schmälern. Fischer, die in ein paar Jahren hier eine Aalrutte (mind. 35 cm) erwischen, dürfen sich freuen. Ihr Fleisch schmeckt, ihre Leber ist wie die ihres großen Verwandten eine Delikatesse.

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Unternehmen-Aalrutte-Wird-sie-des-Signalkrebses-Herr;art173810,1912540
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