26. Mai 2015 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Über die Nasen, den Fisch des Jahres 2015

Petri Heil!

Klaus Berg Bild:

Man muss sich das einmal vorstellen! Da ziehen die Nasen im Frühjahr zu ihren Laichplätzen in den Bächen, und die Leute ernten sie mit Heugabeln. Ja, ernten – nicht fischen.

Bis herauf ins 20. Jahrhundert stach man die schwarzrückigen Silberkörper zu Abertausenden aus dem Wasser, um sie an Schweine zu verfüttern oder als Dünger auf die Felder zu werfen. Welch Überfluss! Wenn heute noch Nasen laichen, etwa im Innbach, in der Trattnach oder Aschach – laufen die Fischer zusammen. Dabei ist das Schauspiel ein müder Abklatsch der Vergangenheit. "Es existiert weniger als ein Prozent der früheren Bestände", sagt Klaus Berg, Fischexperte und Fachberater des OÖ. Landesfischereiverbands.

Die Laichzeit der Nase (Chondrostoma nasus) ist weitgehend vorüber, die Schonzeit läuft noch bis 31. Mai. Warum ist der Cyprinide vom Massenfisch in der Donau und ihren Zubringern zur bedrohten Art geworden, will ich wissen. "Verlust des geeigneten Lebensraums", antwortet Berg. Die Nase liebe schnellfließende und strukturierte Gewässer mit Kies als Laichsubstrat. "Die Donau hat aber nur noch den Charakter von Badewannen zwischen Staustufen."

Fehlt die Durchgängigkeit in den Flüssen ebenso wie Laichplätze und Lebensraum für Jungfische, wird es schwierig mit der Wiederansiedlung der Nase, die übrigens durchaus schmackhaft ist. "Über drei Jahre hat man 90.000 vorgestreckte Nasen in der Traun besetzt", berichtet Berg. "Bei der Kontrollbefischung ein paar Jahre später hat man keine mehr gefunden."

Das Schlüsselwort zur Artenvielfalt lautet "Lebensraumschaffung". Nach EU-Vorgaben sollen unsere Gewässer bis 2027 in einem "guten Zustand" sein, die Fischpopulationen sich selbst erhalten. Das braucht Geld für die Renaturierung. Doch im nationalen Gewässerwirtschaftsplan ist dafür keines vorgesehen.

Die teure Kartoffel wird zwischen Bund, Ländern und Kraftwerksbetreibern hin und her geschoben. Dabei wäre es hoch an der Zeit, über die eigene Nase hinauszublicken.

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/UEber-die-Nasen-den-Fisch-des-Jahres-2015;art173810,1817939
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