06. September 2016 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Sechs nasse Stunden auf dem See und fast ein Schneider

Vom schlimmsten Angelerlebnis des Jahres kann ich bereits jetzt berichten. Schlimmer wird es hoffentlich nicht kommen. Aber von Anfang an.

Der Plan war folgender: Im Klauser Stausee schwimmt eine Schule herrlicher Karpfen. Vor Jahren wurden sie während eines Hochwassers aus dem Elisabethsee in St. Pankraz in die Steyr gespült und standen an der Staumauer an. Seither fressen sie dort feinste Naturnahrung, und zuweilen füttern sie Touristen mit Brot. Ich besorgte mir also eine hübsche weiße Brotfliege (2 Euro). Die knotete ich ans Vorfach der Fliegenschnur, kaufte mir eine Biosemmel (95 Cent) auf dem Linzer Hauptplatz und eine Tageskarte für den Stausee beim Fischereibedarfshändler des Vertrauens (32 Euro). Derart pfiffig ausgerüstet, fuhr ich nach Klaus und mietete mir zum Behufe der Fischsichtung ein Elektroboot.

Dann begann die Serie: Es regnete Katzen und Hunde. Zum Glück hatte ich die Motorrad-Regenkombi dabei. Von den Karpfen war nicht die kleinste Flosse zu sehen. Dennoch legte ich die Brotfliege aus und tarnte sie mit Semmelbrocken, auf dass sie der Karpf’ ohne Arg einsauge. Kaum landete das erste Brösel im Wasser, regnete es Enten und Schwäne. Weg war das Brot. Zum Dank zischten mich die Viecher böse an. Ich hatte wohl zu wenig aufgetischt.

Alternativplan eins: Blinkerwerfen mit der Spinnangel. Nichts. Alternativplan zwei: Naturköder (Spinne) an die Fliegenrute, und damit das Ufer entlang der Felswände abwerfen. Nichts; außer ein Loch in der Regenkombi, weil patschert. Dann brach irgendetwas an der Bootslenkung, ich fuhr nur noch im Kreis ...

Während ich frustriert zusammenpackte, sprang eine prächtige Bachforelle recht nahe hoch aus dem Wasser. Sie hatte sich ein Insekt geholt, aber es schien mir, als machte sie einen triumphierenden Luftsprung über meinen Schneider. War dann aber doch keiner. Mit der letzten Semmelflocke fing ich vom Ufer aus ein Rotauge mit gewaltigen 18 Zentimetern – nach sechs nassen Stunden. Yeah!

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Sechs-nasse-Stunden-auf-dem-See-und-fast-ein-Schneider;art173810,2335182
© OÖNachrichten / Wimmer Medien · Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung
Bitte Javascript aktivieren!