17. November 2015 - 00:04 Uhr · · Fischer-Kolumne

Mit der Nase eine Vielfaltslücke schließen

Petri Heil!

Früher im Frühjahr oft, heute selten zu sehen: Nasenlaichzug Bild: Ratschan

Abschied vom Fisch des Jahres 2015, der Nase, mit einer tollen Besatzaktion.

In der Traun, zwischen der Donaumündung bis über das Gunskirchner Wehr hinaus und in die Nebengerinne, wurden kürzlich 120.000 Stück Nasen besetzt. Die Kosten für den Landesfischereiverband und die Reviere Traun-Linz und Traun-Wels betrugen 12.000 Euro. Warum tut man das? Einen Weißfisch besetzen, der das Anglerherz nicht eben höher schlagen lässt? Will man damit Kormorane füttern?

Schauen wir uns die Fakten an: Die Predatoren (Fischotter, Kormoran, Reiher, Gänsesäger, Zwergsäger) sind nun einmal da und kaum im Zaum zu halten. Sie fressen viele Tonnen Fisch. Die Frage ist, welchen.

Die Nase, ein Weidefisch, der sich von Algen ernährt, ist eine sehr produktive Art, wenn sie passende Laichhabitate vorfindet. Die liegen in den Zubringerbächen der Flüsse. Allerdings sind diese für die Nasen oft nicht passierbar, meist aufgrund von Querbauwerken ohne Fischleiter. Bindet man die Bäche an die Flüsse wieder an, wie etwa den Sipbach, ist zu hoffen, dass sich die Nasen dort wieder ordentlich vermehren. Rechnet man dies auf andere, noch zu renaturierende Bäche hoch, könnte wieder eine stabile Population entstehen. Wenn zehn Prozent des Nasenbesatzes durchkommen und sich vermehren, wäre das Besatzprojekt ein voller Erfolg, sagen die Verantwortlichen. Sie wollen damit einem natürlichen Bestand auf die Flossen helfen und wissen, dass viele dieser Fische auf der Strecke bleiben werden. Im Gegensatz zu früherer Besatzpolitik (z. B. Regenbogenforellen und sonst nix!) weiß man heute: Die Artenvielfalt macht einen gesunden Fischbestand aus. Diese Artenvielfalt ist auch außerhalb des Wassers zu begrüßen, auch wenn sie – wie im Falle der Predatoren – weh tut und kostet. Denn im Grunde muss der Mensch heute die Wunden, die er der Natur einst geschlagen hat, teuer heilen.

Zur Artenvielfalt unter Wasser gehört auch die kleine Elritze oder Pfrille, der Fisch des Jahres 2016. Darüber mehr ein andermal.

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Mit-der-Nase-eine-Vielfaltsluecke-schliessen;art173810,2032131
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