09. Februar 2016 - 00:04 Uhr · · Fischer-Kolumne

Klein, aber unverzichtbar: Eine Lanze für die Pfrüün!

Petri Heil!

Elritze (o. m. Laichausschlag) (Ratschan) Bild:

Die Meldung, wonach die Elritze in Österreich zum Fisch des Jahres gekürt wurde, ließ manche Fischer völlig unberührt. Sollte aber nicht.

Denn die Elritze, die man in unseren kalten Flüssen und Seen in der Forellen- und Äschenregion als Pfrille kennt, (Lautschrift: "Pfrüün"), spielt eine wichtige Rolle im Ökosystem und verfügt über faszinierende Verhaltensweisen. Wo sie nicht ist, stimmt etwas mit dem Gewässer nicht.

Die etwa kleinfingerlangen Prillen zählen zu den karpfenartigen Fischen. Da dem Schwarmfisch immer noch Köderfischfänger nachstellen, hat er im ganzen Monat Mai Schonzeit. Erstaunlich ist, dass die Elritzenschwärme meist Fische annähernd gleicher Größe vereinen, die auch in der Nacht beisammen bleiben. Dennoch können Elritzen einzelne ihrer Artgenossen durchaus erkennen, nämlich am Geruch. Sie haben zudem ein gutes Gehör und sondern bei Gefahr piepsende und knackende Geräusche ab.

Die Salmoniden, die nicht eben sparsam in unsere Gewässer eingesetzt werden, sind gerne hinter den Pfrillen her, insbesondere die Forelle. Tatorte werden von den überlebenden Elritzen oft tagelang gemieden, wahrscheinlich aufgrund von Geruchsspuren. Werden Pfrillen bedrängt und können sie nicht flüchten, lassen sie sich bewegungslos zum Grund absinken. Die Forscher nennen das Instinkt-Dressur-Verstärkung.

Hauptfeind der Pfrillen sind aber die harten Verbauungen der Gewässer, tausende Wasserkraftwerke, die Zerstörung von Nebenarmen und Seichtwasserzonen. Dazu kommt die Hormonbelastung ("Pille") der Flüsse via Kläranlagen. Die Fische verweiblichen, in manchen Seen leben nur Elritzen-Weibchen mit höchstens vier bis fünf Zentimetern Größe.

Der einstige Massenfisch muss wie so viele Arten heute künstlich besetzt werden, um eine rudimentäre Artenvielfalt aufrechtzuerhalten. Engagierte Fischereivereine machen das mit Hilfe der Fischzuchtanstalt in Kreuzstein. Wirtschaftlich mag die Elritze unbedeutend sein, aus ökologischer Sicht ist sie unverzichtbar.

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Klein-aber-unverzichtbar-Eine-Lanze-fuer-die-Pfrueuen;art173810,2118253
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