03. November 2015 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Karpfenvolksfest an den Schacherteichen

Petri Heil!

Schacherteich: Karpfenernte Bild: OÖLFV

Wenn abgefischt wird, entwickelt sich ein kleines Volksfest mit ein paar Hundert Zusehern.

Wahrscheinlich wird beim Abfischen von Teichen ein uraltes Gefühl angeregt. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Leute busweise in die Teichlandschaft Tschechiens pilgern, wenn die Karpfenernte dräut. Die Schacherteiche zwischen Sipbachzell und Kremsmünster sind zwar viel kleiner als ihre Pendants jenseits der Grenze, aber wenn abgefischt wird, entwickelt sich auch hier ein kleines Volksfest mit ein paar Hundert Zusehern. Heuer ist es am Samstag, 7. November, so weit.

Die Teiche gehören dem Stift Kremsmünster. Hier wurden schon Mitte des 16. Jahrhunderts Teichanlagen angelegt mit dem Kollateralnutzen, den sumpfigen Forst zu drainieren. Es handelt sich somit um Himmelsteiche, die keinen großen Zulauf besitzen. Das Wasser sickert aus dem Wald ein.

Der Oberösterreichische Landesfischereiverein hat drei der vier Schacherteiche seit 1997 in Pacht. Bevor die Eisstockschützen den Fischen auf die Nerven gehen können, werden die Teiche abgelassen. Hauptsächlich kommen Karpfen zum Vorschein mit dem idealen Weihnachtsgewicht von rund 2,5 Kilo. In die Netze gehen zudem Schleien, Hechte und Zander. Gleich am Parkplatz an der Straße werden sie verkauft – als Besatz oder zum Essen. Viele Karpfen landen zum Auswassern in den Kaltern des Stifts, wo es sie im Advent zu kaufen gibt. Bessere gibt es selten.

Besetzt werden die Karpfen mit einem halben Kilo. Sie fressen, was die Natur liefert und bekommen zweimal pro Woche Friedfischfutter (fischmehlfrei) der Aschacher Mühle aus Fütterungsautomaten.

"Heuer war ein schwieriges Jahr", sagt Peter Jilka, Präsident des OÖ. Landesfischereivereins. "Bei Hitze bilden sich Algen, die viel Sauerstoff brauchen." Damit die Fische Luft kriegen, liefen die Belüfter den ganzen Sommer lang.

Am Samstag werden etwa 50 Vereinsmitglieder und -mitarbeiter das Abfischen erledigen. Gelernt haben sie den Job vor ein paar Jahren in Tschechien. "Mittlerweile beherrschen wir das Abfischen perfekt", sagt Jilka stolz.

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Karpfenvolksfest-an-den-Schacherteichen;art173810,2018255
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