12. Januar 2016 - 00:04 Uhr · Klaus Buttinger · Fischer-Kolumne

Ansiedlungsprojekt Flussperlmuschel: Die Nachzucht ist eine heikle Sache

Petri Heil!

Jungflussperlmuscheln Bild: Gumpinger

Jetzt, wo die Rute im Eck lehnt und sich nur noch leidenschaftliche Huchenfischer die Finger abfrieren, ist Zeit für die Betrachtung eines faszinierenden Wasserbewohners: die Flussperlmuschel.

Ich treffe mich mit Clemens Gumpinger, Chef von "blattfisch", dem technischen Büro für Gewässerökologie, in Wels. Er ist einer von vielleicht "300 Freaks", wie er selbst sagt, die sich in Europa mit der vom Aussterben bedrohten Art beschäftigen.

Hintergrund: Während es in den heimischen Gewässern früher Hunderte Millionen Flussperlmuscheln gab, sind es heute bloß ein paar Tausend, die in der Aist, Naarn, Kleinen und Großen Mühl leben. Lang vorbei sind die Zeiten, als man für ein einziges Messgewand 40 Millionen Muscheln öffnete, um 11.000 Perlen zu ernten.

Die Nachzucht ist schwierig und langwierig. Sie erfolgt derzeit etwa in einem Container in Kefermarkt. Dort läuft Bachwasser durch eine Muschelbank, dahinter schwimmen Bachforellen. Einmal im Jahr stoßen die Muscheln winzige Larven aus, die sich dann in den Kiemen ausschließlich dieser Fischart ansiedeln. Die Fische lässt das übrigens kalt. Diese Glochidien filtern das Wasser und entwickeln sich über Monate zu kleinen Muscheln, die dann abfallen und mit engmaschigen Netzen geborgen werden. In der freien Wildbahn würden sie sich im Bachbettsubstrat eingraben. Dort bleiben sie sieben, acht Jahre, erst dann kommen sie aus dem Schotter und setzen sich endgültig fest. Trächtig werden Flussperlmuscheln erst mit frühestens 20 Jahren, ihre Lebenserwartung beträgt bei uns bis zu 130 Jahre.

Noch sind die Jungmuscheln des Wiederansiedlungsprojekts zu klein, um ausgesetzt zu werden. Das wird noch mindestens vier Jahre dauern. Denn draußen bedrohen Feinsedimente die Minimuscheln – ausgeschwemmt aus Landwirtschaftsboden –, die deren kiesigen Lebensraum verstopfen können. "Muschelschutz heißt Gewässerschutz – über Generationen", sagt Gumpinger. Kein leichtes Unterfangen, aber eine notwendige und ehrenvolle Aufgabe.

k.buttinger@nachrichten.at

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/meinung/fischer-kolumne/Ansiedlungsprojekt-Flussperlmuschel-Die-Nachzucht-ist-eine-heikle-Sache;art173810,2081061
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