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Wahrheiten statt teurer Sprüche

Vizekanzler Michael Spindelegger sagt, es würde beim Sparpaket der Regierung „richtige Hämmer“ geben. Diese zertrümmern hoffentlich Standardfloskeln zur Rechtfertigung von allerlei Staatsausgaben.

Sprachgewandte Politiker und Interessenvertreter kennen massenhaft Wortspiele, um mit Halbwahrheiten und pseudo-sozial große Bereiche vor Einsparungen zu schützen.

So müssen Parteien aufhören, Belastungen des Mittelstands als Tabu zu sehen, nur weil ihm die meisten Wähler angehören. Wer im Zentrum der Einkommensstatistik lebt, sollte angesichts echter Armut lieber selbstkritisch überlegen, welche Genüsse der Wohlfahrt er allzu leichtfertig beansprucht. Ein exzellentes Gesundheitssystem etwa ist für Krankheiten gedacht, und nicht zum Besuch einer Notfallambulanz wegen Reizungen der Achselhöhle nach dem dortigen Rasieren. Was tatsächlich vorkommt.

Gleichfalls wird keiner, der sich mittelklassige Autos leisten kann, zur Melkkuh der Nation, wenn man mehr Benzinsteuer zahlen müsste. Apropos Steuerzahlungen: Vielleicht drohen mangelnde Investitionen oder weniger Konsum, wenn Wirtschaftstreibende und Gutverdiener noch mehr Geld an den Staat abzugeben haben. Doch das als Grund für eine Pauschalverweigerung neuer Steuern ins Treffen zu führen, ist Quatsch. Weder der Betroffene noch die Volkswirtschaft sterben, wenn von sechsstelligen Veranlagungen aufwärts ein paar tausend Euro für das Gemeinwesen verbleiben.

Ähnliches gilt von der Landwirtschaft bis zu Brauchtumsvereinen. Diese liefern das Brot des Lebens und sind Herz unserer Identität, doch es kommt kein Massensterben, wenn man die Förderungen um 10, 20 oder 30 Prozent kürzt.

Wer Lehrer oder sonstig öffentlich bedienstet ist und nun nachrechnet, muss hinterfragen, ob zwei zusätzliche Unterrichtsstunden oder ausbleibende Zweijahressprünge des Gehalts das Ende der Welt bedeuten. Das konstruierte Bild von stets am Anschlag arbeitenden Beamten ist genauso dümmlich wie das Vorurteil beamteter Nichtstuer. Nicht jeder reißt sich das Gesäß auf und diejenigen mit normalem Sitzfleisch können Einsparungen verkraften, auch wenn sie keinen Spaß machen.

Sind übrigens rüstige Pensionisten unbekannte Wesen? Das gesetzliche Pensionsalter beträgt 65 Jahre, das faktische liegt unter 60 Lenzen. Wenn also in Österreich 90 Prozent fünf Jahre später in Pension gehen müssen, mag das unangenehm sein. Ein Verbrechen wider die Menschlichkeit ist es nicht. Die restlichen Prozentanteile genügen für den frühzeitigen Ruhestand echter Schwerstarbeiter.

Ach ja, und in eigener Sache: Wer bei Kultur und Wissenschaft spart, wird von Meinungsführern taxfrei als anti-intellektueller Populist gebrandmarkt. Nun bestimmen Forschung und Entwicklung sowie kulturelles Querdenken die Zukunft unseres Landes. Das gilt freilich nicht für jede Idee, welche da vom Staat finanziert wird. Verzichten wir daher alle öfter auf teure Sprüche gegen das Sparen.

 

*Der Politologe Peter Filzmaier analysiert in den Oberösterreichischen Nachrichten regelmäßig das politische Geschehen.

1
Der grösste"Hammer"ist der Nasenbär himself... · von Ameise (9066) · 14.04.2012 15:36 Uhr
2
Sparpaket · von Teddybaer (2) · 07.02.2012 18:33 Uhr

Ich befürchte, dass in Zukunft ältere Menschen nicht mehr die gesamte medizinische Versorgung bekommen werden , die sie brauchen .
Das würde ich als Euthanasie bezeichnen.
Sollte das Land Oberösterreich, das ja am meisten im Gesundheitswesen einsparen will, da mitmachen,wäre ich nicht mehr stolz darauf hier geboren worden zu sein.

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3
spindeslegger · von alois0168 (183) · 07.02.2012 17:05 Uhr

der richtige hammer ist wohl spindelegger selbst!
es gibt aber auch andere bezeichnungen für ihn!

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Artikel 06. Februar 2012 - 00:04 Uhr
Peter Filzmaier
Bild vergrößern Michael Spindelegger

Michael Spindelegger  Bild: Reuters

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