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Die Grenzen des Systems

Sapperlot, unser Bundeskanzler hat Österreich nicht vor Wirtschafts-, Schulden- und Eurokrise gerettet. Potzblitz, auch der Außenminister konnte bislang die Welt nicht sanieren. Ojemine, dasselbe gilt für Politiker und Parteien aller Farben und sogar Länder. Vom nationalen Oppositionskämpfer mit Minderwertigkeitsgefühlen bis zum angeblich international allmächtigen US-Präsidenten.

Das liegt daran, dass die Politik ihre ureigene Aufgabe oft nicht erfüllen kann. Theoretisch zerfällt die Gesellschaft vulgo Staat in Teilsysteme, welche verschiedene Funktionen für das Gemeinwohl leisten. Bei Politakteuren ist das ein Treffen allgemein verbindlicher Entscheidungen, um das Zusammenleben der Menschen bestmöglich zu regeln.

In Wahrheit erwarten wir vom politischen System Sofortlösungen als Wunderheilung, welche mindestens im Kleinstaat Österreich total unrealistisch sind. Bei globalen Problemen von der Ökonomie bis zur Ökologie ist das ungefähr so, als müsse der Bürgermeister von Hintertupfing den Nahostkonflikt beenden. Das Teuflische daran ist, dass überregionale Institutionen von der EU bis zur UNO ebenfalls dafür nur bedingt tauglich sind.

Aus Sicht der Systemtheorie sind dummerweise andere Bereiche gleichfalls weit weg von der Leistung ihrer gesellschaftlichen Aufgaben. Die Wirtschaft etwa soll alle (Staats-)Bürger mit Gütern und Dienstleistungen versorgen. Das Problem ist nicht, dass das mit Gewinn- und Profitabsicht geschieht, und auch nicht nur die Qualität bzw. Verteilung der Produkte. Vielmehr gibt es eine gigantische Summe finanzwirtschaftlicher Vorgänge, welche keinerlei Bezug zu realen Waren oder personen- und sachbezogenen Diensten haben. (Börsen-)Produkte sind zu fiktiven Dingen geworden, mit denen sich viel Geld verdienen lässt, ohne dass irgendjemand wenigstens indirekt mit irgendetwas versorgt wird.

Fehlanzeige

Die Massenmedien versagen ebenso. Sie müssten den kritischen Kommunikationsfluss von Informationen sichern, damit Politik und Wirtschaft sowie deren Output überhaupt vermittelt werden. Früher waren das wider die Demokratie Anschläge des Fürsten am Kirchenportal oder Verkündungen durch Herolde auf dem Marktplatz. Heute wird parteipolitischer Einfluss beklagt, als wirkliches Systemversagen droht aber die mediale Selbstbeschränkung auf Unterhaltungsinhalte von Castingshows bis Dschungelcamps. Politische Bildung und Wirtschaftserziehung sind da Fehlanzeige.

Das alles könnte zu politikwissenschaftlich abgehoben und/oder zu abstrakt gedacht sein? Vielleicht. Doch das Dilemma der aktuellen Krisensituation von Politik und Wirtschaft plus Medien ist eben mehr als ein punktueller Anlassfall. Das Gesamtsystem der Organisation des Miteinanders kracht im Gebälk. Die Folgegefahr ist das Ignorieren der Notwendigkeit demokratischer Systemreformen, was am rechten und linken Rand zu gegrölten Hurrarufen nach undemokratischen Alternativen führt.

 

*Der Politologe Peter Filzmaier analysiert in den Oberösterreichischen Nachrichten regelmäßig das politische Geschehen.

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Und das Schönste daran ist doch, daß man als · von eulenauge (16071) · 28.01.2012 15:24 Uhr

Rädchen in dieser gewaltigen Propagandaindustrie ein gar nicht so schlechtes Auskommen hat, nicht wahr?

(0)
Artikel 23. Januar 2012 - 00:04 Uhr
Peter Filzmaier*
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